Alle für einen!

Gemobbt, verleumdet, ausgeschlossen: Im Dezember hat sich der 20-jährige Tim in den Niederlanden das Leben genommen. Von Ralf Enders

Er wurde von seinen Online-Peinigern in den Selbstmord getrieben. Entsetzen und Mitgefühl in den Niederlanden, aber auch weltweit, waren außergewöhnlich groß.

So traurig das ist: Vielleicht braucht es solche aufsehenerregenden Fälle, damit sich etwas ändert. Damit aus dem Haifischbecken soziale Netzwerke wieder ein Spaßbad wird. Gewiss, sie geben sich viel Mühe, all die Politiker, Jugendschützer und Polizisten. Sie gehen in Schulen und klären auf. Sie erstellen Broschüren. Sie bieten Beratung online und per Telefon. Wertvolle Arbeit. Sie nicht zu tun, wäre fahrlässig. Allein: An der Lebenswirklichkeit der meisten jungen „Kunden“ gehen bunte Flyer oder gar der erhobene Zeigefinger weit vorbei. Zumal jugendliche Onliner in der Gewissheit leben, dass die meisten Erwachsenen schon rein technisch keine Ahnung haben, um was es geht.

Andere anonym bloßzustellen oder zu verleumden ist feige und mies. Wo sind die Selbstheilungskräfte in der Online-Gemeinde, unter den Schülern einer Schule, unter den Mitgliedern einer Facebook-Gruppe? Würden sie funktionieren, wäre mehr gewonnen als durch alle Präventionsprogramme. Gemobbte dürfen nicht ausgelacht, sondern müssen unterstützt werden. Die Mobber müssen gefunden und ausgeschlossen werden. Eine „Community“, die das nicht zustande bringt, verdient ihren Namen nicht.

Quelle: op-online.de

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