Kommentar: Schlechte Nachrichten

Die Männer an der Spitze halten zusammen: Bundestagspräsident Norbert Lammert springt Bundespräsident Christian Wulff mit einer Medienschelte zur Seite.

Nicht nur Wulff müsse sich fragen, ob er mit den privaten Vorgängen und den damit verbundenen Vorwürfen angemessen umgegangen sei, erklärte der zweite Mann im Staate mit Blick auf die Kreditaffäre des ersten. „Auch die Medien haben Anlass zu selbstkritischer Betrachtung ihrer offensichtlich nicht nur an Aufklärung interessierten Berichterstattung“, rügte Lammert.

Es erinnert fatal an die Geschichte vom Überbringer schlechter Nachrichten, der in grauer Vorzeit bekanntlich mit seinem Leben für unbotmäßige Nachrichten bezahlte. Dass mit den immer neuen Enthüllungen das Amt und die Autorität des Amtsinhabers Schaden genommen haben, ist unbestreitbar. Doch es zeugt schon von einem reichlich merkwürdigen Demokratieverständnis, dies den Medien anzukreiden, die nur ihrer ureigensten Aufgabe nachkommen: Den Mächtigen auf die Finger sehen.

Wulff hat sich den Schaden ganz alleine selbst zuzuschreiben, solange er nur das zugibt, was ohnehin nicht mehr zu leugnen ist. Und auch die neue Entwicklung um die Kreditvergabe durch die BW-Bank hat zumindest ein Gschmäckle. Ein klärendes Wort des Bundespräsidenten zu den seit Tagen kolportierten Vorgängen in Stuttgart? Bislang Fehlanzeige.

Dass die Opposition sich so auffallend ruhig verhält, ist nur Kalkül mit Blick auf die im Mai anstehende Wahl in Schleswig-Holstein. Zurzeit noch hat Schwarz-Gelb eine Mehrheit in der Bundesversammlung, also keine Chance für SPD, Grüne und Linkspartei einen der ihren als Bundespräsidenten zu inthronisieren. Und ein taumelnder Wulff dürfte auch in einem Landtagswahlkampf für Gabriel und Co. Gold wert sein.

Quelle: op-online.de

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