Einheitlicheres Schulsystem

Kommentar: Schon lange notwendig

Vater versetzt, Kind sitzengeblieben: Dieser jahrzehntealte Spruch hat leider in viel zu vielen Fällen bis heute nichts von seiner Gültigkeit verloren. 16 verschiedene Schulsysteme gibt es in der Bundesrepublik. Von Siegfried J. Michel

Ein inzwischen völlig unübersichtlicher Flickenteppich: Der Grund: Bildung ist in Deutschland Ländersache. Die Leidtragenden sind an erster Stelle die Kinder und Jugendlichen. Aber auch die Eltern haben mit dem Wirrwarr und den Folgen zu kämpfen.

Wenn Schüler mit befriedigenden Noten nach einem Umzug plötzlich mit mangelhaften Zensuren nach Hause kommen, ist das nicht ihre Schuld: andere Bücher, unterschiedliche Leistungsstandards, ein abweichender Start beim Einstieg in eine Fremdsprache ... In vielen Familien spielen sich Dramen ab, werden Wunden in die Seelen der vom Notenabsturz erfassten Kinder gerissen. Ja, es gibt auch das Gegenteil - dann nämlich, wenn von einem Bundesland mit hohen Leistungsanforderungen in eines mit niedrigeren Standards umgezogen wird. Auch das ist schizophren.

Und so wirklich erklären kann in Zeiten, in denen von Menschen eine hohe Mobilität - beruflich und örtlich - verlangt wird, kein Politiker, warum Bildung unbedingt und unabänderlich Ländersache sein und bleiben muss.

Große Unterstützung sollte deshalb der Vorstoß von Bundesbildungsministerin Annette Schavan erfahren, um diese teils unzumutbaren Zustände zu ändern. Die CDU-Politikerin mahnt bei den Ländern mehr Einheitlichkeit im deutschen Schulsystem an. Nötig sei mehr Vergleichbarkeit zwischen den Ländern. Es brauche nicht immer neue ideologische Debatten und Alleingänge. Recht hat die Frau, denn dies ist schon lange notwendig. Nur Angleichungen in Teilbereichen reichen hierbei letztlich aber nicht aus.

Quelle: op-online.de

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