Schwieriger Spagat beim Fleischkauf

Offenbach - Viele Verbraucher wollen billiges Fleisch - aber auch , dass Bauern das Tierwohl ausreichend berücksichtigen. Die deutsche Fleischindustrie will reagieren, startet eine neue Initiative. Von Peter Schulte-Holtey 

Verbraucherschützer sind aber unzufrieden, fordern klarere gesetzliche Regelungen. Bauern, Schlachtfirmen und Handel beginnen im Januar mit der „Initiative Tierwohl“. Sie soll das Leben von Schweinen und Geflügel in konventioneller Haltung in Richtung mehr Tierschutz verbessern. Hundert Millionen Euro will der Einzelhandel jährlich in einen Fonds einzahlen. Aus dem werden dann Boni an Bauern bezahlt, die in ihren Ställen Auflagen erfüllen, die über den gesetzlichen Standards zur Tierhaltung liegen. Bei Schweinen bedeutet das, dass der Handel vier Cent pro Kilo verkaufter Waren mehr zahlt für Sonderaufwendungen.

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Wichtige erste Schritte

Trotz aller Bemühungen der Lebensmittelindustrie bleiben Zweifel, sie werden durch viele Billigfleischangebote noch genährt. Kritik an der neuen Initiative kommt von Verbraucher- und Tierschutzorganisationen. Die Bauern müssten zu mehr Tierwohl-Maßnahmen konkret verpflichtet werden, anstatt die meisten Kriterien einfach frei wählen zu dürfen, heißt es. Eine schlechte Note gibt auch Andrea Schauff von der Verbraucherzentrale: „Ohne ein EU-weit einheitliches Tierschutzlabel mit klaren Kriterien, neutralen Kontrollen und mit einem gesetzlichen Rahmen wird sich wenig ändern. Noch ist vieles zu intransparent.“ Die Expertin empfiehlt stattdessen Produkte mit Labeln vom Tierschutzbund und der Aktion Vier Pfoten; diese legten strengere, nachprüfbare Kriterien an. Das Problem: Die Label sind nicht sehr verbreitet. Der Rat von Schauff an Verbraucher: „Entweder im Handel auf diese Label achten und sich über regionale Angebote informieren, zum Beispiel beim regionalen Einkaufsführer für Fisch und Fleisch der Verbraucherzentrale Hessen, http://www.verbraucher.de/fleisch-und-fisch-aus-der-region. Aber auch da steckt der Teufel im Detail: So sei die Bezeichnung „tier-“ oder „artgerechte Haltung“ bei konventionellen Angeboten eher irreführend, da sie nur die gesetzlichen Mindestanforderung erfülle. Anders sieht es bei den Anbietern von Bioprodukten aus, strengere Haltungskriterien sind laut EU-Öko-Verordnung vorgeschrieben.

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Die Landwirtschaftsminister von Deutschland, Dänemark und die Niederlande forderten unterdessen mehr Anstrengungen beim Tierschutz in der EU. Die Vorschriften bei der Haltung, beim Transport und bei der Schlachtung von Nutztieren müssten konsequent durchgesetzt werden. Als Beispiel für Verbesserungen werden kürzere Transportzeiten für Schlachttiere genannt, die „grundsätzlich acht Stunden nicht überschreiten“ sollten.

Quelle: op-online.de

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