Nobelpreis für Liu Xiaobo

Signal der Größe

Es ist eine der wenigen Auszeichnungen, auf die tatsächlich die Welt schaut und auf die so ignorante Führungen wie die in Peking nach bekanntem Muster reagieren - mit reflexartiger und abstoßend perfekt gespielter Empörung. So kann es nicht verwundern, welches Szenario die Verleihung des Friedensnobelpreises 2010 begleitet: Der Preisträger sitzt unter dem fadenscheinigen Vorwand anti-staatlicher „Kriminalität“ in Haft, seine Frau wird pünktlich zur Verkündung der hoch geachteten Auszeichnung vom Militär abgeschirmt. Die Volksrepublik China zeigt wieder einmal ihr hässlichstes Gesicht. Von Manfred Brackelmann

Die Schamlosigkeit, mit der sie das tut, unterstreicht nurmehr das Wissen um die eigene Bedeutung. Dissidenten wie der jetzt geehrte Liu Xiaobo mögen mit selbstlosem und bewundernswertem Mut versuchen, der Führung den Spiegel vorzuhalten, um ihnen die nach innen gerichtete Politik der Unmenschlichkeit vor Augen zu halten. Pekings Machthaber aber sind sich allzu sicher, dass die lautstarke Kritik von Politikern und Regierungen rund um den Globus - auch in Deutschland - schnell wieder leiser wird, wenn es darum geht, dem anderen China zu begegnen: der Wirtschaftsmacht, mit der sich so gut Milliardengeschäfte machen lassen.

Hätte das schmerzliche Wissen um diese bitteren Begleitumstände das Nobelkomitee auch nur einen Moment zögern lassen dürfen, bevor es seine Entscheidung traf? Das Gegenteil ist der Fall.

Mag das offizielle China noch so borniert von einer Provokation sprechen - der Friedensnobelpreis 2010 hat eigene Symbolik. Denn es sind Menschen wie Liu Xiaobo, die sich abheben: als Schwimmer gegen den Strom in einem Meer der Ungerechtigkeit, unterdrückt, doch ungebrochen, vermeintlich klein gehalten von staatlichem Terror und gerade daher von beeindruckender menschlicher Größe.

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Quelle: op-online.de

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