Ein bisschen Wehmut ist dabei

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Unser Redakteur Alexander Klug hat sich mit Ministerin Silke Lautenschläger über ihren Abschied aus der Landesregierung unterhalten.

Wiesbaden - Nach neun Jahren als Ministerin scheidet Silke Lautenschläger (CDU) als Chefin des Ministeriums für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz aus. Ihr Wahlkreis Darmstadt-Dieburg II umfasst unter anderem Babenhausen, Eppertshausen, Münster, Schaafheim und Dieburg. Unser Redakteur Alexander Klug hat sich mit ihr über ihren Abschied aus der Landesregierung unterhalten.

Frau Lautenschläger, die letzten Tage in Ihrem alten Büro laufen. Was passiert denn, wenn eine Landesministerin auszieht?

Allzu viel nehme ich nicht mit. Die beiden großen Bilder an der Wand nehme ich mit, die hat eine Freundin für mich gemalt und ich hatte sie immer dabei. Ansonsten gehört ja das meiste zum Büroinventar und bleibt hier, Schreibtisch, Möbel und so weiter.

Wie laufen sie ab, die letzten Tage in Amt und Funktion?

Ich schaue bei vielen Projekten vorbei, die mir am Herzen liegen. Da war die ganze Palette dabei, vom Besuch in Kliniken über den Nationalpark Edersee und das Biosphärenreservat in der Rhön bis zum Messeler Hügelland in meinem Wahlkreis. Außerdem stehen natürlich auch regelmäßig Termine im Kalender wie Fraktionssitzung oder Arbeitsgruppen-Treffen.

Wie fühlt es sich an, sich aus der ersten Reihe der Landespolitik zu verabschieden?

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Als Frau Ypsilanti kurz vor der Regierungsübernahme stand, habe ich das Abschieds-Gefühl schon mal geübt, da saßen wir hier schon mal auf gepackten Koffern. Ein bisschen Wehmut ist schon dabei. Es hat mir gut gefallen, gestalten zu können, auch wenn ich nach einem knappen Jahrzehnt als Ministerin das Gefühl hatte, dass es jetzt genug ist. Ziemlich schwer fällt mir der Abschied von meinen Mitarbeitern. Mit vielen von ihnen habe ich eng und lang zusammen gearbeitet. Besonders in der Zeit, als ich zwei Ministerien geführt habe, war die Koordination der Arbeit sehr kompliziert.

Worin würden Sie die Höhepunkte Ihrer Arbeit sehen?

Ein wichtiges Projekt ist mit Sicherheit das Energiekonzept 2020. Ein Projekt, das ehrgeizige Ziele formuliert und für das es dicke Bretter zu bohren gab. Innerhalb wie außerhalb der eigenen Reihen. Ein anderer großer Punkt ist der Ausbau der Betreuung für Kinder unter drei Jahren. Das Thema ist jetzt in aller Munde, der Weg dahin war nicht immer einfach, aber wir haben ihn geschafft.

Gab es auch Schmerzhaftes?

Natürlich gibt es wie überall Dinge über die man sich ärgert, aber da muss ich schon tief kramen, um sie zu finden. Es war eine tolle Zeit und ich erinnere mich vor allem an unzählig viele positive Dinge! Nach fast einem Jahrzehnt, an vorderster politischer Stelle, war es jetzt der richtige Zeitpunkt für mich mit Roland Koch auszuscheiden.

Was machen Sie denn mit Ihrer vielen neuen Freizeit?

Worauf ich mich freue, sind weniger durchgeplante Tage und Abende. Seit langem will ich auf dem Nibelungensteig wandern, oder ganz privat ins Theater gehen. Als Ministerin gibt es auch abends viel zu tun, zahlreiche Termine füllen den Kalender. Früh aufstehen muss ich aber auch in Zukunft. Denn wenn die Kinder zum Schulbus müssen, gibt’s für die Mama auch viel zu tun. Der Wecker klingelt weiterhin um Viertel vor 6.

Und was könnte beruflich künftig nach dem Weckerklingeln passieren?

Das weiß ich noch nicht, das habe ich noch nicht entschieden. Ich werde mich jedenfalls nicht zurücklehnen und nichts machen. Vier Wochen in den Urlaub fahren würde ich zwar gerne, aber meine Kinder müssen zur Schule und ohne mache ich das nicht. Ich denke, dass Wirtschaft und Politik in vielen Bereichen noch zu wenig voneinander wissen. Das würde ich gerne ändern und schauen, wie sich das mit meinem Landtags-Mandat vereinbaren lässt.

Quelle: op-online.de

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