Sinnvoller Plan aus Berlin

Dass natürlich die Betreiber von Fahrschulen sich ob der Pläne aus Berlin schon mal kräftig die Hände reiben, ist verständlich.

Ein gesetzlich vorgeschriebenes zusätzliches Fahrtraining von ein oder zwei Stunden für Führerschein-Neulinge eine gewisse Zeit nach der eigentlichen Prüfung würde wie ein kleines Konjunkturprogramm für die Branche wirken. Der Auto Club Europa (ACE) vermutet deshalb gar Klientelpolitik der Koalition.

Tatsache aber ist leider, dass junge Fahrer zwischen 18 und 25 Jahren weiterhin die Hauptrisikogruppe im Straßenverkehr darstellen. Laut dem ADAC kamen allein 2009 in dieser Altersgruppe 584 Fahrer und Insassen von Pkw im Straßenverkehr ums Leben. Ein Blick nach Österreich zeigt zudem, dass die nun in Berlin angedachte Nachschulung ganz offensichtlich eine sinnvolle Maßnahme ist, die Leben retten kann. Bei unseren Nachbarn gibt es ein solches zusätzliches Training - Feedback-Fahrten genannt - seit einigen Jahren. Die Wirkung ist beachtlich. Laut dem CDU-Politiker Storjohann sind dort die Unfallzahlen bei Fahranfängern um 30 Prozent zurückgegangen. Auch der ADAC, der die Berliner Pläne unterstützt, spricht von einer „deutlichen Senkung“. Das Geld für ein oder zwei zusätzliche Schulungsstunden ist also gut angelegt, bedenkt man, welches Leid und welche Schäden vermieden werden können.

Und die Idee der Koalitionäre wäre sogar noch ausbaubar. Denn wer sich im Straßenverkehr bewegt, kann feststellen, dass auch eine nicht gerade geringe Zahl erfahrener und älterer Autofahrer sichtlich einiges aus den Fahrstunden „vergessen“ hat. Da wird beispielsweise auf Autobahnen munter rechts überholt und das Blinken scheint für viele eine zu vernachlässigende Sache zu sein. Auch solches Verhalten führt zu schlimmen Unfällen. Ein „Update“ für jeden Führerscheininhaber - etwa alle fünf Jahre - würde sicherlich ebenfalls zu mehr Sicherheit auf den Straßen und weniger Verkehrstoten beitragen.

Siegfried.Michel@op-online.de

Quelle: op-online.de

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