Wenn die Bildung fehlt ...

Kommentar: Der Skandal hat System

Bildung ist wichtig. Alle Parteien gehen mit dieser Prämisse hausieren. Zu Recht. Nicht zuletzt die aktuelle Debatte über Probleme mit bildungsfernen Schichten zeigt, warum Investitionen in Bildung wichtig sind. Von Frank Pröse

Aber auch auf höherem Niveau lassen sich Versäumnisse ausmachen, wenn die OECD feststellt, dass hierzulande zu wenig Akademiker ausgebildet werden. Auch dieser Trend gefährdet unser aller Zukunft.

Allen Sonntagsreden deutscher Politiker zum Trotz wird im internationalen Vergleich zu wenig Geld in ein System gesteckt, das offensichtlich auch noch an den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes vorbei unterrichtet, wie die Bertelsmann-Studie ausweist. Danach besitzen 1,5 Millionen junger Erwachsener in den alten Bundesländern keine Berufsausbildung. Sie haben den Übergang in den Beruf selbst dann nicht geschafft, wenn sie einen Haupt-, ja sogar einen Realschulabschluss vorweisen können. Offensichtlich ist der Schulbetrieb in zu vielen Fällen damit überfordert, seinen Schutzbefohlenen das nötige Rüstzeug für eine Lehre mitzugeben. Das beklagen Industrie- und Handelskammern sowie Handwerkerschaften bereits seit Jahren. Die daraufhin angebotenen Qualifizierungsmaßnahmen sind den Massen allerdings nicht gewachsen.

Der größte Teil der 1,5 Millionen jungen Erwachsenen ohne berufliche Ausbildung wird zeitlebens auf staatliche Unterstützung angewiesen sein. Da wäre es günstiger gewesen, sie gründlicher auf die Arbeitswelt vorzubereiten. Das ist seit Jahren Konsens aller am Bildungssystem Beteiligten. Und dennoch erlaubt es sich diese Gesellschaft, Jahr für Jahr zehntausende Jugendliche ohne Abschluss in die Welt der Erwachsenen und damit in die programmierte Armut zu entlassen. Angesichts der vorliegenden Größenordnung lässt sich die Zahl der Leistungsverweigerer vernachlässigen. Nein, der Skandal ist im System angelegt, wenn schon der Realschulabschluss nicht mehr für den Beruf qualifiziert.

Quelle: op-online.de

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