Wieder Kritik an Genossen

SPD-Chefsuche: Gabriel spricht Scholz beste Chancen zu - wünscht sich aber dieses Duo

+
Olaf Scholz (li.) und Sigmar Gabriel (2.v.r.) 2014 beim Bundesparteitag der SPD.

Die SPD sucht eine neue Parteiführung. Sigmar Gabriel gibt einem Interview seine Meinung ab - und dürfte Platzhirsch Olaf Scholz damit nicht nur Freude bereiten.

Berlin - Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel hat sich offen über die Kandidaten für den SPD-Partei-Vorsitz geäußert. „Olaf Scholz ist der prominenteste der Bewerber. Deshalb hat er auch gute Chancen“, sagt Gabriel dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Olaf Scholz war bereits Vorstand der Sozialdemokraten - jedoch nur 68 Tage. Am 13. Februar 2018 erhielt er den Posten kommissarisch. Martin Schulz war damals, nach seiner Wahlniederlage, zurückgetreten.

SPD-Vorsitz: Gabriel hofft auf „echten Neubeginn“

Auch wenn die Chancen für Scholz gut stehen, gibt Gabriel eine andere persönliche Präferenz an: Er halte eine Doppelspitze aus Boris Pistorius, Innenminister von Niedersachsen, und Petra Köpping, der sächsischen Integrationsministerin, für am spannendsten. „Beide haben feste Wurzeln in der Kommunalpolitik, sind nah am Alltag der Menschen und deshalb gut geerdet. Das braucht die SPD jetzt und es wäre ein echter Neubeginn“, so Gabriel.

Sigmar Gabriels Wunschduo, Boris Pistorius und Petra Köpping bei der SPD-Regionalkonferenz in Sachsen-Anhalt.

Die SPD sucht aktuell in Regionalkonferenzen ein neues Spitzen-Duo. Für den Ablauf der Treffen gelten strenge Regeln, um eine Gesamtdauer von zweieinhalb Stunden nicht zu überschreiten. So soll die Vorstellung der Kandidaten pro Duo oder Einzelbewerber nur fünf Minuten dauern. Auf Fragen der Moderatoren oder aus dem Publikum darf maximal 60 Sekunden lang geantwortet werden.

SPD-Vorsitz: Gabriel rügt Weggefährten

Von 2009 bis 2017 war Gabriel selbst Vorstand der SPD. Damals „lief es in der Tat durchaus gut an“, sagt Gabriel dem RND, „bei der Bundestagswahl 2013 erreichten wir fast 26 Prozent - eine Marke, von der wir heute träumen.“ Dennoch habe er keinen großen Rückhalt in der Partei gespürt. „Mein Eindruck war: Ich hatte gar keine echten Stellvertreter“, so Gabriel.

Während seiner Zeit als Vorsitzender agierten Klaus Wowereit, Hannelore Kraft, Olaf Scholz, Manuela Schwesig, Thorsten Schäfer-Gümbel, Aydan Özoğuz und Ralf Stegner als SPD-Vizes.

Derzeit führen Malu Dreyer und Thorsten Schäfer-Gümbel die SPD. Bis Dienstag war auch Manuela Schwesig Teil der SPD-Spitze. Sie ist jedoch wegen einer Brustkrebserkrankung zurückgetreten. Wie einst Olaf Scholz, führen auch Dreyer und Schäfer-Gümbel die Partei kommissarisch. Im Dezember sollen in Berlin die Delegierten des Parteitags einen neuen Vorsitzenden wählen. Die Bewerber für den SPD-Vorsitz müssen sich zuvor bei den Regionalkonferenzen Unterstützung sichern. 

Suche nach neuen SPD-Chef: Gabriel lobt Andrea Nahles für ihre Parteiloyalität

Während Gabriel einige SPD-Politiker kritisiert, spricht er einer Person große Partei-Loyalität zu: Andreas Nahles „war und ist vermutlich bis heute jemand, dem nichts wichtiger ist als die SPD.“

Doch Gabriel räumt auch eigene Fehler ein. Auf die Frage, ob er nicht selbst zu schlechter Stimmung in der SPD beigetragen habe, erklärt Gabriel: „Ich behaupte nicht, dass ich keine Fehler gemacht hätte und manche Debatte habe ich sicher viel zu hart geführt.“

Gabriel: „Das Leben ist endlich“

Sigmar Gabriel feiert seinen 60. Geburtstag. Auf die Frage, ob er Angst vor dem Altwerden habe, antwortet Gabriel, dass er keine Furcht verspüre. „Aber“, räumt er ein, „mit zunehmendem Alter wird mit bewusster, dass das Leben endlich ist.“ 

lb

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare