Sprengsatz bei Karsai-Gedenkfeier - Tote

Kandahar - Ein Selbstmordattentäter hat bei einem Gottesdienst für den ermordeten Bruder des afghanische Präsidenten Hamid Karsai vier Menschen getötet.

Unter den Toten waren auch der Vorsitzende des Rats der Geistlichen der Provinz, Hekmatullah Hekmat, sowie ein Kind, teilte das Innenministerium mit. Mindestens 15 Menschen seien verletzt worden. Bislang bekannte sich niemand zu der Tat.

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In der Moschee im Südwesten der Stadt hatten sich zahlreiche Angehörige und Freunde von Ahmed Wali Karsai versammelt, der am Dienstag von einem seiner engsten Vertrauten erschossen worden war. Zu dem Anschlag hatten sich die Taliban bekannt. Wali Karsai galt als der mächtigste Mann im Süden Afghanistan, sodass sein Tod nun ein gefährliches Machtvakuum im Süden des Landes zu hinterlassen droht; zu einer Zeit, in der die afghanische Regierung vor dem Abzug der US-Soldaten aus dem Land Friedensgespräche mit den Aufständischen anstrebt.

Mit dem Anschlag vom Donnerstag könnten nun Vermutungen weitere Nahrung erhalten, wonach Wali Karsais Tod eine ohnehin von Gewalt geprägte Region weiter destabilisieren könnte.

Mehr versteckte Sprengsätze und Selbstmordattentate

So stieg die Zahl der getöteten Zivilpersonen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres nach UN-Angaben um 15 Prozent. Demnach verloren 1.462 afghanische Zivilpersonen ihr Leben, während es im ersten Halbjahr 2010 noch 1.271 Opfer gegeben hatte, berichteten die UN am Donnerstag. Viele Menschen kamen demnach im Kreuzfeuer zwischen Aufständischen der Taliban sowie afghanischen, NATO- und US-Soldaten ums Leben. Den Anstieg der getöteten Zivilpersonen sehen die UN in der Zunahme an versteckten Sprengsätzen sowie den Selbstmordattentaten begründet.

Ebenfalls am Donnerstag machten afghanische Regierungsvertreter die NATO für den Tod von sechs Zivilisten während eines nächtlichen Einsatzes im Osten des Landes verantwortlich. Das Bündnis hingegen teilte mit, dass bei einer gemeinsamen Patrouille mit afghanischen Soldaten in der Nacht auf Donnerstag in der Provinz Chost sechs Kämpfer des Hakkani-Netzwerkes getötet wurden, das mit den Taliban in Verbindung steht. Dabei sei ein Zivilist verletzt worden.

Gleichwohl lösten die Berichte in der Provinz Chost Proteste mit mehr als 1.000 Teilnehmern aus. Demonstranten trugen die Leichen der Getöteten auf ihren Schultern. “Bei dem Einsatz kamen sechs Zivilisten ums Leben“, sagte Mubares Sadran, Sprecher der Provinzregierung.

Bei dem Einsatz in dem Dorf Toora Worai seien die Soldaten einem falschen Bericht nachgegangen, wonach dort ein Treffen von Kommandeuren des Hakkani-Netzwerkes stattfinden sollte, sagte Sadran. Auch Gul Mohammad Sasi, Mitglied des Provinzrates von Chost, sagte, dass die Toten nichts mit dem Aufstand zu tun hätten.

Von NATO-Seite hieß es hingegen, dass die Soldaten bei der Durchsuchung eines Anwesens von mehreren Aufständischen mit Kalaschnikows und Pistolen unter Feuer genommen wurden. So sei unter den Toten auch eine Frau, die mit einer Pistole auf die Soldaten geschossen hätte, sagte ein NATO-Sprecher. Auch ein Bewohner von Toora Worai berichtete, dass es sich bei sämtlichen Opfern um Zivilpersonen gehandelt habe.

dapd

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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