Weidmann Bundesbankchef

Kommentar: Stallgeruch des Kanzleramts

Es ist erst ein paar Tage her, da leistete sich Deutschland eine aberwitzige Diskussion über Frauenquoten in Unternehmen. Nun schafft die Kanzlerin Fakten. Sie schickt Sabine Lautenschläger als erste Frau in den Vorstand der Bundesbank. Von Marc Kuhn

Die 46-Jährige ist alles andere als eine Quotenfrau. Sie hat sich in 15 Jahren als Kontrolleurin von Banken vielmehr einen ausgezeichneten Ruf erarbeitet. Angela Merkels weitaus wichtigere Personalentscheidung hat auf den zweiten Blick indes einen faden Beigeschmack.

An der Qualifikation von Jens Weidmann, der Präsident der altehrwürdigen Institution Bundesbank wird, gibt es freilich nichts zu bemängeln. Politik, Wirtschaft und Finanzwelt respektieren den 42-Jährigen sicherlich zu recht. Insbesondere bei der Bewältigung der internationalen Finanzkrise hat er sich seine Sporen verdient.

Konfrontation in der EU nicht gescheut

Allerdings haftet Weidmann der Stallgeruch des Kanzleramts an. Merkel hat ihrem bisherigen Berater und sich selbst mit der Ernennung keinen Gefallen getan. Bei Entscheidungen wird sich Weidmann stets mit Fragen nach einer möglichen politischen Einflussnahme konfrontiert sehen. Die Unabhängigkeit der Bundesbank ist und bleibt aber ihre wichtigste Eigenschaft. Mit der Personalie Weidmann steht ihre Glaubwürdigkeit nun auf dem Spiel. Eine riskante Entscheidung der Kanzlerin.

Sie könnte sich auch auf internationalem Parkett als gefährlich erweisen. Gerade im Ringen um die Stabilität des Euro und den Rettungsschirm für angeschlagene europäische Staaten hat der bisherige Bundesbankchef Axel Weber die Konfrontation in der EU nicht gescheut. Respektiert wurde er immer für sein unabhängiges Handeln. Fraglich ist, ob Weidmann angesichts seiner Laufbahn im Dunstkreis der Politik das gleiche Vertrauen entgegengebracht wird.

Quelle: op-online.de

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