Stochern im Nebel

Ein schneller Ausstieg aus der Atomenergie bis Ende 2017 würde die Strompreise in Deutschland um fast ein Drittel steigen lassen. Das hat ein Kölner Energieforschungsinstitut im Auftrag des Industrieverbandes BDI ermittelt.

Da bisher ein Ausstieg bis 2020 schon als sehr ambitioniert gilt und mit dem planerischen Vorziehen um drei Jahre die Rechnung im Interesse der einen Ausstieg ablehnenden Industrie höher ausfällt, also abschreckender wirkt, fragt es sich, welche Rückschlüsse aus dieser Studie zu ziehen sind. Gar kein Ausstieg oder nur längere Laufzeiten? Ist es nicht vielmehr so, dass diese Gesellschaft auch um den Preis teureren Stroms aussteigen will. Derweil müht sich die Atomlobby mit Studien, die derzeit noch gar keine feste Grundlage haben können, in Panikmache. Zudem fließen bisher in die vermeintlich günstigere Atomrechnung keine Kosten ein, die beispielsweise bei der Entsorgung der Allgemeinheit aufgebürdet werden.

Auch ein Blick in die jüngere Vergangenheit rückt die Verhältnisse gerade. So sind die deutschen Strompreise seit dem Jahr 2000 offiziell um 30 Prozent gestiegen. Das wären demnach drei Prozent im Jahr und damit gefühlt zu wenig. Die Meldung „der Strompreis wird steigen“ besitzt also keinen Neuigkeitswert. Allenfalls die Begründung für die Teuerung wechselt: Mal ist es der Ölpreis, mal der Gaspreis an den Märkten - jetzt ist es eben der Atomausstieg. Sicher, zur Wahrheit gehören auch Solarenergiesubventionen und höhere Steuern und Abgaben, wegen der Vater Staat kein Interesse hat einzugreifen.

Was die Höhe der künftigen Preissteigerung betrifft, werden 0,1 bis 0,9 Cent je Kilowattstunde genannt. Das wäre im ungünstigsten Fall eine Steigerung um etwa jenen Prozentsatz, mit dem die Verbraucher seit Jahren auch ohne Atomausstieg rechnen müssen. Mit jedem Zehntelcent weniger kämen die Stromkunden sogar besser weg.

Deutschland kann aus der Kernenergie aussteigen. Die Schwierigkeit besteht darin, die dafür erforderlichen technischen Lösungen im Vorlauf und parallel zum Ausstieg in einer Zeit umzusetzen, die den ökonomisch günstigsten Weg erlaubt. Die dafür erforderliche Zeit kann man als Planungsgröße in den Raum stellen, aber seriös nicht vorhersagen. Deshalb sind auch alle Rechenexempel zum jetzigen Zeitpunkt schon Makulatur.

frank.proese@op-online.de

Quelle: op-online.de

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