Kommentar zu Dr. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg in Nöten

Kommentar: Stunde der Wahrheit

Husch, husch zum Hindukusch: Während in der Republik bereits die Schlacht um seine Dissertation tobte, hatte sich Dr. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg überraschend nach Afghanistan abgesetzt.  Von Ulrich Kaiser

Mag der Truppenbesuch des Verteidigungsministers ohnehin vorgesehen gewesen sein, so ist die Wirkung zu diesem Zeitpunkt eher kontraproduktiv. Scheint es doch, als habe sich der Chef der Bundeswehr in die Büsche geschlagen anstatt die Attacke zu parieren. Vermutlich hatte Guttenberg etwas anderes im Sinn, als er die Visite ungeachtet des Pulverdampfs an der Heimatfront absolvierte. Alles Petitessen, wollte er damit wohl bedeuten, es gibt Wichtigeres als Zitate in einer mit höchstem Lob gewürdigten Doktorarbeit - und übernachtete solidarisch-mannhaft bei seinen Soldaten mitten im Kampfgebiet.

Früher wäre das gut angekommen. Der smarte Publikumsliebling im Kreis farbloser Top-Politiker hätte sein glamouröses Image weiter polieren dürfen, zum Verdruss der Neider und zum Entzücken seiner Fangemeinde, die schon den Obama der CSU emporsteigen sah - Kanzlerkandidatur nicht ausgeschlossen. Mit einem Schlag ist alles anders: Guttenberg entzaubert, nach Lesart seiner Enthüllungs kritiker vom großen Triumphator zum kleinen Plagiator geschrumpft.

Der Pfau schmückte sich mit fremden Federn

Dass der Pfau im Kabinett sich offensichtlich mit fremden Federn schmückte, wird zum GAU für alle Karriereträume. Und der Vertrauensverlust schreitet fort, je mehr fragwürdige Passagen ans Licht kommen. Wenn Plagiatejäger sich schon im Internet tummeln, ist es nicht mehr weit her mit der strahlenden Aura der Ministers.

Da hilft es wenig, hinter den Vorwürfen eine „Kampagne“ aus dem linken Spektrum zu vermuten, wie mancher Christsoziale glauben machen will. Wer wie ein Staatssekretär über eine „kommunistische Ypsilanti-Initiative“ schwadroniert, führt nur vor aller Augen, wie sehr die Nerven blank liegen, wie wenig den Anschuldigungen entgegenzusetzen ist. Als ob diese nicht auch aus dem bürgerlich-akademischen Lager kämen; als ob es überhaupt einen Unterschied machte, aus welcher Ecke sie erhoben werden: abgekupfert ist abgekupfert, sofern denn nachweisbar.

Die Stunde der Wahrheit wird bald schlagen

Ebenso ist freilich klar, dass die Opposition ihre Chance nutzen will, die Lichtgestalt in der Regierung zu Fall zu bringen. Sie zielt auf Guttenberg und trifft zugleich die Koalition. Ein Pfund, mit dem sich wuchern lässt, zumal in einem Jahr mit sieben Landtagswahlen.

Zwei Wochen gibt die Uni Bayreuth Guttenberg nun Zeit, die Vorwürfe zu entkräften. Zwei Wochen, die der Minister politisch kaum überleben wird. Womöglich schlägt schon jetzt die Stunde der Wahrheit: Dass Guttenberg gestern Abend einen öffentlichen Auftritt kurzfristig abgesagt hat, um die Kanzlerin zu treffen, lässt Raum für Spekulationen.

Ein Macher mit getrübter Bilanz

Glaubwürdigkeit und Authentizität - das war bisher des Freiherrn Markenkern. Diese Attribute sind auf der Strecke geblieben. Egal, ob es Schludrigkeit oder Schummelei geschuldet ist, weshalb Zitate in seiner Doktorarbeit nicht ordnungsgemäß ausgewiesen wurden.

Doch dies sind beileibe nicht die einzigen Fehler, die dem Minister angelastet werden. Mit umstrittenen Personalentscheidungen hat er sich seit Amtsantritt in die Nesseln gesetzt - Schnellschüsse wie zuletzt die rüde Abberufung des Gorch-Fock-Kommandanten trüben die Bilanz.

Ein Macher? Gewiss. Aber summa cum laude? Auch bei der Amtsführung des bisher gefeierten Polit-Stars bleiben Zweifel an höchstem Lob.

Quelle: op-online.de

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