Abaaoud starb in Saint-Denis

Mutmaßlicher Drahtzieher des Terrors in Paris tot

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Abdelhamid Abaaoud.

Paris - Der als mutmaßlicher Drahtzieher der Anschläge von Paris gesuchte Abdelhamid Abaaoud ist bei der Polizeiaktion nördlich der französischen Hauptstadt am Mittwoch getötet worden.

Berüchtigt ist der Islamist Abdelhamid Abaaoud spätestens seit einem Video, in dem er über die "Ungläubigen" spottet, während er hinter seinem Wagen die Leichen mehrerer Opfer der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) herschleift. Ins Schlaglicht rückt er, als sich herausstellt, dass er wohl einer der Drahtzieher der Anschlagsserie in Paris mit 129 Toten war.

Seine Flucht vor den Fahndern endete am Mittwoch in einer Wohnung nahe Paris im Kugelhagel französischer Spezialkräfte. Nach dem mehrstündigen Polizeieinsatz in Saint-Denis bestätigte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag den Tod des 28-Jährigen.

Abaaoud ist in Molenbeek aufgewachsen - dem Brüsseler Viertel, das als Hochburg gewaltbereiter Islamisten in Belgien gilt und in dem am Montag ein Polizei-Einsatz zur Ergreifung von Salah Abdeslam fehlschlug, einem der Hauptverdächtigen der Pariser Anschläge. Abaaoud ließ sich Berichten belgischer Medien zufolge auch Abu Omar Soussi nennen, nach der Region in Marokko, aus der seine Familie stammt, oder Abu Omar al-Baljiki, was "Abu Omar, der Belgier" bedeutet.

"Er war ein kleiner Idiot", der seinen Klassenkameraden und Lehrern auf die Nerven ging oder sich beim Stehlen von Brieftaschen erwischen ließ - so charakterisierte ihn ein ehemaliger Schulkamerad im belgischen Boulevardblatt "La Dernière Heure". Nach den Attentaten in Paris geriet der "kleine Idiot" sofort ins Visier belgischer und französischer Ermittler. Sowohl der wegen der Anschläge in Paris international gesuchte Salah Abdeslam als auch dessen Bruder, der Selbstmordattentäter Brahim, kannten Abaaoud.

Abaaouds Name tauchte bereits in der Vergangenheit in den Nachrichten auf. Anfang 2014 nahm er seinen erst 13 Jahre alten Bruder Younes mit nach Syrien. Diesen titulierten einige Medien danach als "jüngsten Dschihadisten der Welt".

Berüchtigt ist sein Auftritt in dem Video des IS: Darin rühmt sich Abaaoud seiner Grausamkeiten, während er einen Wagen fährt, der mehrere verstümmelte Leichname hinter sich herschleift. In Belgien wird der Islamist seit diesem Jahr vor allem mit der Gruppe von Verviers in Verbindung gebracht.

Am 15. Januar, wenige Tage nach den Attentaten auf die Satire-Zeitung "Charlie Hebdo" und einen jüdischen Supermarkt in Paris, hatte die Polizei in dem ostbelgischen Örtchen ein Haus gestürmt. Zwei Verdächtige, die Anschläge gegen die Polizei geplant haben sollen, wurden dabei getötet.

Abaaoud war nicht dabei. Kurze Zeit später gab er aber in einem Magazin des IS an, die vereitelten Attentate geplant zu haben. Eine Razzia in Athen, von wo aus er Medienberichten zufolge mit den in Verviers Getöteten in Verbindung stand, schlug fehl. Er habe "trotz der von so vielen Geheimdiensten betriebenen Jagd" nach Syrien entkommen können, rühmte er sich.

Im Juli verurteilte ein Brüsseler Gericht Abaaoud wegen seiner Rolle bei der Rekrutierung von Syrien-Kämpfern in Abwesenheit zu 20 Jahren Haft. Auch in Spanien soll er nach Angaben der dortigen Regierung versucht haben, neue IS-Anhänger anzuwerben. Über soziale Netzwerke habe er gezielt Frauen angesprochen, damit diese in die vom IS kontrollierten Gebiete in Syrien und im Irak reisen, teilte das Innenministerium in Madrid mit.

Die Fahndung nach dem belgischen Islamisten konzentrierte sich zuletzt auf den Pariser Vorort Saint-Denis. Sondereinheiten stürmten dort am Mittwoch eine Wohnung. Bei dem Einsatz gab es zwei Tote. Vermutlich sprengte sich eine Frau mit einer Sprengstoffweste selbst in die Luft. Über die Identität der zweiten Leiche herrschte zunächst Unklarheit. Am Donnerstag bestätigte die Staatsanwaltschaft dann, dass der Tote anhand von Fingerabdrücken als Abdelhamid Abaaoud identifiziert worden sei.

afp

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