Schutz für Kinderlärm

Kommentar: Toleranz einfordern

Armes Deutschland: Wenn es um einen Neubau von Kindertagesstätten in Wohngebieten geht, wird von vielen Anwohner prozessiert. Von Peter Schulte-Holtey

Kinderlärm gilt als störend, Autolärm hingegen nimmt man in unseren Städten weitgehend klaglos hin. Es ist einfach nur traurig, dass es in Europa solche Streitereien um den Nachwuchs nur in unserem Land gibt.

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Prozesslawine bedroht den Kita-Ausbau

Niemand sollte das Problem jetzt wegschieben und auf Prozesshansel in München, Berlin usw. verweisen. Auch im Kreis Offenbach ist der Sozialdezernent besorgt. Er befürchtet, wie seine Kollegen in vielen Kreisen und Städten, eine Klagewelle gegen neue Kitas - der Ausbau der Kinderbetreuung könnte ins Stocken geraten. Derzeit ist im Baurecht Kinderlärm noch ein Bauhinderungsgrund, Kitas sind in reinen Wohngebieten nicht grundsätzlich erlaubt. Dabei gibt es doch vor allem in diesen Stadtlagen einen besonders großen Bedarf an Kindergartenplätzen.

Kinder brauchen Platz und Bewegung

Die Kritiker haben recht. Neue Regelungen sollten im Schnellzugtempo durchs parlamentarische Verfahren gejagt werden. Dabei ist klar, dass man allein mit Gesetzen ein Mehr an Kinderfreundlichkeit nicht erreichen kann. Aber ohne klare rechtliche Vorschriften wird sich eben auch nichts so schnell ändern.

Vor allem mehr Toleranz muss gefordert werden. Es geht nicht darum, Lärmempfindlichkeit mit Kinderhassertum gleichzusetzen oder gar zu glauben, fröhliche Kinder seien an ständigem Krach zu erkennen. Aber den Betroffenen Kita-Nachbarn sollte doch einleuchten, dass Kinder Platz und Bewegung brauchen, um zu lernen; sie müssen auch mal laut sein, denn über das Spiel entwickeln sie ihre motorischen Fähigkeiten und sie reifen zu selbstständigen Persönlich keiten.

Quelle: op-online.de

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