Wirtschaft rechnet Verpflichtungen herunter

Tricksereien mit dem gelben Sack

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Offenbach - Bei der Entsorgung von Verpackungsmüll in gelber Tonne oder Sack nutzen Hersteller und Handel jedes Schlupfloch, um Geld zu sparen. Die Tricksereien kosten mittlerweile einen dreistelligen Millionenbetrag. Von Ralf Enders 

Hintergrund ist die mehr als 20 Jahre alte Verpackungsverordnung. Demnach müssen Hersteller und Handel Verpackungen, etwa von Kartoffelchips oder Milch, fachgerecht entsorgen. Davon können sie sich durch Teilnahme an einem der neun Dualen Systeme in Deutschland quasi freikaufen. Bekanntestes Markenzeichen ist der Grüne Punkt.

Das Problem sind die Ausnahmen, etwa wenn die Zahnpasta-Verpackung im Geschäft zurückgelassen werden kann oder die Abnehmer sich selbst um die Entsorgung kümmern - Tankstellen oder Kliniken können dies tun. Sie fallen dann aus dem teuren Abholsystem vor der Haustür raus und können sich Lizenzgebühren für den selbst entsorgten Wertstoffmüll zurückerstatten lassen.

Bundesregierung will Beschluss fassen

Dies geschieht immer öfter nur auf dem Papier. Denn die unbezahlten Abfälle bei den Dualen Systemen steigen, während die Einnahmen sinken. Die Branche rechnet mit 350 Millionen Euro Verlust durch Verpackungen, die von schwarzen Schafen trickreich aus dem gelben Sack herausgerechnet werden, faktisch aber drin sind.

Nächste Woche will die Bundesregierung einen Kabinettsbeschluss fassen, zunächst um entsprechende EU-Vorgaben umzusetzen. Im weiteren Verfahren sollen Vorschläge aus dem rot-grün regierten Nordrhein-Westfalen realisiert werden, die die Ausnahmetatbestände bis 2015 abschaffen wollen.

Quelle: op-online.de

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