Integrationsdebatte

Der Triumph des Banalen

Wer zu einem bewegenden Thema wenig Tiefschürfendes beizusteuern hat, sucht Zuflucht in Gemeinplätzen. So produziert die bisher eher fruchtlose Debatte um die Eingliederung von Migranten täglich neue Sprechblasen, die am Erfolg des Unternehmens zweifeln lassen. „Multikulti ist gescheitert“ (so die Integrationsbeauftragte Böhmer) oder „Es gilt bei uns das Grundgesetz und nicht die Scharia“ (Kanzlerin Merkel) sind Beispiele für solche Banalitäten, zu denen sich - mit Verlaub - der unnötigerweise heiß diskutierte Satz gesellt: „Der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland“ (Bundespräsident Wulff). Von Ulrich Kaiser

Dass die Exegese von Allerweltsweisheiten die politische Klasse so intensiv zu beschäftigen vermag, lässt beinahe schon den Verdacht aufkommen, sie habe insgeheim kapituliert - erschöpfe sich in einer resignativen Übersprungsreaktion lieber in Wortgefechten, als das viel zu spät erkannte Problem endlich anzugehen.

Jenseits der Parteien und Parlamente findet Gesellschaft allemal im Kopf statt. Einen Bewusstseinswandel zu befördern, wäre also vorrangige Integrationsaufgabe. Sie freilich wird durchkreuzt, wenn das Banale in der Politik ständig Triumphe feiert. Aufhören damit!

@ulrich.kaiser@op-online.de

Quelle: op-online.de

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