Triumph für Schavan - Front gegen Bildungskonzept bröckelt

Freiburg - Mit einem zufriedenen Lächeln verlässt Annette Schavan das Podium. Grund für die gute Laune der Bundesbildungsministerin ist nicht die orange Schultüte mit Schwarzwälder Spezialitäten, sondern das zahme Publikum.

Bei ihrer Werbetour für ihr umstrittenes Bildungskonzept hat die stellvertretende CDU-Vorsitzende am Samstag erstmals in Baden-Württemberg Station gemacht, dem Bundesland, aus dem der lauteste Protest kam. Nach ihrer knapp einstündigen Rede bleibt der Aufstand der Basis aus.

Seit das Konzept, das die Zusammenlegung von Haupt- und Realschule fordert, vor einigen Wochen bekanntwurde, steht Schavan bei ihren Parteifreunden in der Kritik. Zuletzt strafte ihr Kreisverband die Bundestagsabgeordnete aus Ulm ab, in dem er sie nur als Ersatzdelegierte für Landes- und Bundesparteitage wählte. In Freiburg musste sie deshalb mit Pfeifkonzerten und Buhrufen rechnen.

Stattdessen wird sie mit freundlichem Applaus empfangen. Nur einmal unterbricht ein Zwischenruf ihren Redefluss. Bei ihrer rhetorischen Frage, warum sie sich als Bundesministerin in die Bildungshoheit der Länder einmischt, ist ein lautes "Genau" zu hören. Aber darauf kontert sie locker. "Ich bin stellvertretende CDU-Vorsitzende, da geht mich alles was an."

Schavan appelliert an die rund 150 Delegierten, die Augen vor der Realität nicht zu verschließen. Nur zwei Prozent der Eltern schickten nach einer Umfrage ihre Kinder auf eine Hauptschule. Ein frustrierendes Ergebnis, gesteht die frühere baden-württembergische Bildungsministerin ein. Immerhin habe sie sich zehn Jahre lang für die Entwicklung der Hauptschule engagiert. "Das war offensichtlich für die Katz."

In den vergangenen Jahren sind bereits etliche Hauptschulen in Baden-Württemberg geschlossen worden. Der Schülerschwund in den kommenden Jahren lasse das Schlimmste befürchten. Einen Ausweg bietet laut Konzept, das auf einem CDU-Bundesparteitag Mitte November in Leipzig zur Abstimmung steht, die Gründung von Oberschulen mit Real-und Hauptschulen unter einem Dach nach dem Vorbild Sachsens und Thüringens.

Schavans Worte fallen auf fruchtbaren Boden. "Die Hauptschule blutet aus", sagt eine Delegierte. Darauf müsse die CDU reagieren, "sonst überrollt uns die Diskussion mit Einheits- und Gemeinschaftsschule von Grün-Rot". Andere Redner verweisen darauf, dass der Hauptschulabschluss doch erhalten bleibe. Wieder andere sehen die Chance, das mit einer Oberschule das Image der Hauptschulausbildung verbessert werden könnte - "und das ist dringend nötig".

Von Ingo Senft-Werner, dpa

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