Deutsch-Türke in Haft

Erdogans Türkei: Foto mit Claudia Roth plötzlich „Beweismittel“ für Anklage - „An Absurdität nicht zu überbieten“

Ein Foto von Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth in der Anklageschrift gegen den in der Türkei inhaftierten Enver Altayli wirft Fragen auf. Roth kritisiert die türkische Justiz.

  • In der Anklageschrift gegen den in der Türkei inhaftierten Deutsch-Türken Enver Altayli befindet sich ein Foto der Grünen-Politikerin Claudia Roth.
  • Altayli hat von der türkischen Justiz Aufklärung gefordert.
  • Roth spricht von „Absurdität“ und kritisiert die türkische Justiz.

Istanbul - Der inhaftierte Deutsch-Türke Enver Altayli hat von einem Gericht in der Türkei Aufklärung über ein Foto mit der Grünen*-Politikerin Claudia Roth verlangt, das in der Anklageschrift als Beweismittel gegen ihn aufgeführt wird. „Ich verstehe nicht, für welche Straftat dies ein ergiebiges Beweismittel darstellen sollte“, schreibt Altayli in einem Antrag, der der dpa vorliegt, an das Gericht für schwere Straftaten in Ankara. „Für die Führung einer Terrororganisation? Oder etwa für Spionage?“

Türkei: Grünen-Politikerin Roth entsetzt über Anklage - „An Absurdität nicht zu überbieten“

Bundestagsvizepräsidentin Roth sagte der dpa, es lasse „tief in die Seriosität der türkischen Justiz blicken“, falls solch ein Foto als Beweis herangezogen werde. Das sei „an Absurdität nicht zu überbieten.“ Das Foto stammt der Anklage zufolge von Altaylis Mobiltelefon. Seine Anwältin und Tochter Dilara Yilmaz sagte, es sei 2011 bei Dreharbeiten für einen Film aufgenommen worden, in dem Roth einen Auftritt hatte. Roth sagte: „Ich frage mich, was das für ein Beweis sein soll und was daran verdächtig ist - außer vielleicht, dass das nicht unbedingt meine beste schauspielerische Leistung war.“

Enver Altayli, der eigenen Angaben zufolge vor Jahrzehnten für den türkischen Geheimdienst MIT gearbeitet hat, war 2017 in Antalya wegen Terrorvorwürfen festgenommen worden. (Archivbild)

Altayli war 2017 im südtürkischen Urlauberort Antalya festgenommen worden. Ihm werden Gründung oder Führung einer „bewaffneten Terrororganisation“ vorgeworfen. Er habe Kontakte zur Organisation von Fethullah Gülen, den die türkische Regierung für den Putschversuch von 2016 verantwortlich macht. Zudem wird er beschuldigt, Staatsgeheimnisse mit dem Ziel der militärischen oder politischen Spionage erworben zu haben. Mehrere Anträge auf Freilassung des 76-Jährigen und weiterer Angeklagter in dem Verfahren seien abgelehnt worden, sagte seine Tochter Dilara Yilmaz. Der Prozess wird am 22. Dezember fortgesetzt. (dpa/fmü) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Silas Stein/dpa

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