Streit um „Exil“ für Mubarak

Kommentar: Typisch deutsch

Die schrille Debatte über ein mögliches „Exil“ Husni Mubaraks hierzulande ist typisch deutsch. In Amt und Würden sind zwielichtige Staatenlenker, man denke etwa an Libyens Gaddafi, unsere respektierten Gäste. Von Lorenz von Stackelberg

Geraten sie aber in Bedrängnis, bricht sich sofort das moralisierende Gutmenschentum Bahn. Sehr mutig. Aber Politik erschöpft sich nun mal nicht in Schwarz und Weiß. Ägyptens Präsident ist ein autokratischer Herrscher, kein Zweifel, aber er ist kein Bokassa, kein Idi Amin, kein Papa Doc oder Mugabe. Er ist kein Massenmörder oder Großkrimineller mit den Insignien der Staatsmacht - und unter den afrikanisch-arabischen Führern noch einer der zivilisierteren.

Mubarak hat sich nach Sadats Ermordung unleugbare Verdienste um Israel und die Stabilität des Nahen Ostens erworben, von der auch Deutschland profitierte. Und jetzt haben die westlichen Demokratien, die ihn so lange gestützt haben - nicht immer nur Amerika -, die verdammte Pflicht und Schuldigkeit, sich auf ihre Mitverantwortung für eine Lösung der Krise zu besinnen.

Dabei geht es sicher nicht um ein dauerhaftes Exil in Deutschland; Mubarak selbst dürfte, wenn überhaupt, andere Länder bevorzugen. Die Fortsetzung einer medizinischen Behandlung hierzulande indes darf ihm allein schon aus humanitären Gründen nicht verwehrt werden. Und sollte sich ein solcher Klinikaufenthalt schlussendlich in einen gesichtswahrenden Rückzugsplan fügen, der den Ägyptern Zeit für die demokratische Umgestaltung ihrer Gesellschaft verschafft und sie vor blutigen Unruhen bewahrt, um so besser. Dem einstigen „Freund“ einen derartigen Dienst zu verweigern, wäre jedenfalls politisch kleinmütig und menschlich zweifelhaft.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © op-online.de

Kommentare