Friedensverhandlungen in Genf

UN begrüßt Verlängerung von Waffenruhe für Homs

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Seit Tagen werden Bewohner von Homs in Sicherheit gebracht.

Homs/Genf - Von den Friedensverhandlungen in Genf ist kein schneller Durchbruch zu erwarten. Aber für die Menschen im belagerten Homs gibt es zumindest einen Hoffnungsschimmer.

Die UN hat die Verlängerung der Waffenruhe-Vereinbarung für Homs um weitere drei Tage begrüßt. Die UN-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos sagte nach Angaben der Vereinten Nationen am Montag weiter, die internationale Gemeinschaft müsse Druck auf die syrische Regierung und die Opposition ausüben, damit die Waffenruhe eingehalten wird und alle, die die Stadt verlassen wollten, dies auch in Sicherheit tun könnten. Die Vereinbarung, die am Freitag in Kraft getreten war, hatte ursprünglich in der Nacht zum Montag enden sollen.

Auch am Montag konnten wieder Hunderte von Menschen die belagerte Stadt verlassen, wie der Rote Halbmond im Kurznachrichtendienst Twitter mitteilte. Die Hilfslieferungen haben inzwischen begonnen. Am Wochenende waren Helfer, die den Menschen in Homs Nahrung bringen sollten, mehrfach unter Beschuss geraten. Unter schwierigen Bedingungen brachten Helfer auch am Montag wieder Hilfsgüter in die Altstadt von Homs.

Die Direktorin des Welternährungsprogramms (WFP), Ertharin Cousin sagte: „Die letzten Tage waren qualvoll für die Menschen in der Altstadt von Homs und für die humanitären Helfer, die ihr Leben riskiert haben, um Nahrung, Medizin und andere dringend benötigte Güter in die Stadt zu bringen nach einer Belagerung von mehr als 600 Tagen.“ Die von Regierungstruppen belagerte Altstadt von Homs sei nur eines von insgesamt 40 belagerten Gebieten in Syrien, deren Bewohner seit Monaten von Hilfslieferungen abgeschnitten seien.

In Genf begann unterdessen ohne Hoffnung auf einen baldigen Durchbruch die zweite Runde der syrischen Friedensverhandlungen. Der UN-Vermittler Lakhdar Brahimi traf am Montag zuerst mit der Delegation der Opposition zusammen. Anschließend sprach er mit den Vertretern des Regimes von Präsident Baschar al-Assad. Auf Wunsch der Regierungsdelegation stand zuerst das Thema Terrorismus auf der Tagesordnung.

Die Opposition warf dem Regime vor, es versuche, die Verhandlungen zu verlangsamen, um Zeit zu schinden. „Wir haben von Brahimi einen Zeitplan für die weiteren Verhandlungen gefordert, denn jede Verzögerung wird mit dem Blut der Syrer bezahlt“, sagte Delegationsmitglied Anas al-Abde der Nachrichtenagentur dpa.

Direkte Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien sind für diesen Mittwoch geplant. Erklärtes Ziel der Genfer Gespräche ist eine Beendigung des Bürgerkrieges. Seit Beginn des Aufstandes gegen Assad im März 2011 wurden nach Schätzungen bereits mehr als 130 000 Menschen getötet.

Der schon im vergangenen Jahr beschlossene sogenannte Genf-1-Plan sieht die Bildung einer Übergangsregierung in Syrien vor, der Vertreter des Regimes und der Opposition angehören. Dagegen sträubt sich Assad bisher. Er will demnächst noch einmal für das Amt des Präsidenten kandidieren. Nach Informationen aus Oppositionskreisen ist der 9. Mai als Termin für die Wahl im Gespräch.

In der ersten Runde der Genf-2-Verhandlungen vom 22. bis 31. Januar hatten sich die Konfliktparteien lediglich auf humanitäre Hilfe für die von Regierungstruppen belagerten Menschen in der Altstadt von Homs geeinigt.

Inzwischen 1200 Menschen aus Homs in Sicherheit gebracht

Aufgrund der Waffenruhe in Homs sind inzwischen 1200 Bewohner der zentralsyrischen Stadt in Sicherheit gebracht worden. Die Zahl der geretteten Zivilisten vom Montag gab Gouverneur Talal al-Barasi in der Nacht zum Dienstag mit 460 an. Rebellen und Regierungstruppen verständigten sich nach UN-Angaben, die Feuerpause bis zum Mittwochabend zu verlängern. In Genf wurden die Gespräche zwischen beiden Seiten fortgesetzt.

"460 Zivilisten, vor allem Frauen, Kinder und alte Menschen wurden aus Homs herausgebracht", sagte der Gouverneur. Damit erhöhe sich die Zahl der Menschen, die seit Freitag aus Homs geholt wurden, auf 1200. Der TV-Sender Al-Majadeen in Beirut zeigte ausgemergelte Kinder mit blassen Gesichtern. "Es fehlte uns an allem, alle Kinder waren krank, wir hatten noch nicht mal etwas zu trinken", sagte eine äußerst erschöpft wirkende Frau.

Die Waffen sollen in der umkämpften Stadt bis Mittwochabend schweigen, wie die UN-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos in New York mitteilte. "Ich hoffe, das wird uns ermöglichen, weitere Zivilisten in Sicherheit zu bringen und zusätzliche Hilfsmittel zu liefern."

Amos nannte es "vollkommen inakzeptabel", dass einige Hilfskonvois trotz der geltenden Feuerpause unter Beschuss geraten seien. Bei verschiedenen Zwischenfällen dieser Art wurden von Freitag bis Sonntag 14 Menschen getötet.

dpa/AFP

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