UN-Klimagipfel Cancún wird zur Zwischenetappe

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Eine Protestaktion am Strand von Mexico anlässlich des Klimagipfels in Cacún.

Cancún - Der Klimagipfel in Cancún ist nur eine Zwischenetappe auf dem Weg zu dem dringend nötigen globalen Klimaschutzabkommen. Umweltschützer kritisieren, dass es nur “Mini-Fortschritte“ gibt.

Der Streit über die Spielregeln bei der Minderung von Treibhausgasen hat beim UN-Klimagipfel in Cancún einen echten Durchbruch verhindert. Die Vertreter der rund 190 Staaten rangen am Freitag bis zuletzt in vielen Arbeitsgruppen um Ergebnisse in Einzelbereichen, etwa beim Schutz der Wälder vor Abholzung oder Milliardenhilfen für besonders vom Klimawandel getroffene Länder.

Die Europäische Union forderte, angesichts der rasanten Eisschmelze und extremer Wetterveränderungen größere Klimaziele anzustreben. Die bislang vorgelegten Reduktionsvorschläge einzelner Länder genügten nicht, um den gefährlichen Klimawandel zu bekämpfen, sagte EU-Delegationsleiterin Connie Hedegaard am Freitag. Sie erreichten zusammen nur 60 Prozent des benötigten Gesamtzieles. Eine Vereinbarung von Cancún müsse klar zum Ausdruck bringen, dass “dies nicht genügt, um die Erwärmung unter zwei Grad zu halten“.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) sagte der Deutschen Presse-Agentur, ohne China seien die Ziele bei der Minderung der Emissionen nicht zu lösen. Das bisher geltende Kyoto-Protokoll erfasse 70 Prozent der Emissionen nicht. Anders als beim Gipfel in Kopenhagen sei die Konferenz “auf einem fachlich und technisch sehr hohen Niveau“, lobte Röttgen. In deutschen Delegationskreisen rechnete man mit Verhandlungen bis Samstagfrüh (Ortszeit).

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Cancún wurde von den Delegationen angesichts der komplexen Verhandlungen nur als Zwischenetappe eingestuft. Ein globales, verbindliches Klimaabkommen als Nachfolger des 2012 auslaufenden Kyoto-Protokolls, in das sowohl Industrie- als auch Entwicklungsländer eingebunden werden sollen, könnte damit frühstens beim nächsten Gipfel 2011 im südafrikanischen Durban erreicht werden.

Ungelöst waren in Cancún zunächst Punkte wie Kontrollregeln für Klimaschutzaktionen und die rechtliche Form einer Vereinbarung. Die WWF-Klimaexpertin Regine Günther lobte das sehr ernsthafte Bemühen um Lösungen. Dies sei nicht unbedingt zu erwarten gewesen. “Man kann die gesamte Wirtschaft nicht in zwei Wochen umkrempeln“, betonte Günther. Auch die USA und China würden sich etwas bewegen. “China will nicht wie in Kopenhagen hier wieder als Bad Guy rausgehen.“

Die Inselstaaten forderten in Cancún einen Ersatz dafür, wenn ihre Heimat untergeht und sie sich nicht mehr an den Klimawandel anpassen können. Nach Angaben von Klimaschützern sperrten sich aber zunächst die Industrieländer gegen solche in die Milliarden gehenden Kompensationen.

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“Das Problem ist, dass es beim globalen Klimaschutz keine Führung gibt“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke der dpa. “China will es nicht und die USA können es nicht.“ Greenpeace-Klimaexperte Martin Kaiser betonte, mit diplomatischen Mini-Fortschritten “ist uns im Kampf gegen die globale Erwärmung nicht geholfen“.

Japan bekräftigte, ein Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyotoprotokoll alleine sei kein effektiver Weg, um den Klimawandel zu bekämpfen. Der japanische Delegierte Akira Yamada betonte, es umfasse nur 27 Prozent der Emissionen. Japan will mit Blockadedrohungen auch erzwingen, dass besonders die USA und China stärker verpflichtet werden, ihre Emissionen drastisch zu reduzieren. Unklar war zunächst, ob die freiwilligen Reduktionsziele von Kopenhagen, die Länder mit 80 Prozent der Emissionen umfassen, festgeklopft werden können.

“Wir haben nicht mehr viel Zeit“, mahnte die Verhandlungsleiterin des Gipfels, Patricia Espinosa, wenige Stunden vor dem offiziellem Abschluss des Gipfels. “Schauen Sie über Ihre nationalen Grenzen hinweg.“ Umweltminister Röttgen forderte, nicht zu viele Probleme auf die Zukunft zu verschieben. “Je weniger wir hier in Cancún aufs Papier bringen, desto dicker wird der Rucksack für Durban“, betonte Röttgen mit Blick auf die UN-Klimakonferenz 2011 in Südafrika.

dpa

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