UN-Konferenz zum Schutz der Artenvielfalt

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Der Chef des Umweltbundesamtes Jochen Flasbarth.

Nagoya - Mit eindringlichen Appellen zum Artenschutz hat im japanischen Nagoya am Montag die zehnte UN-Konferenz zur biologischen Vielfalt (COP 10) begonnen.

Auf dem zweiwöchigen Treffen der über 190 Vertragsstaaten soll ein verbindliches Protokoll gegen die sogenannte Biopiraterie verabschieden werden. Zudem wollen sich die Staaten auf eine Strategie zum globalen Schutz der Artenvielfalt einigen. “Wir verlieren immer noch die Vielfalt, den Reichtum, die Schönheit und das Kapital unseres Planeten“, sagte der Chef des Umweltbundesamtes Jochen Flasbarth in der Eröffnungsrede zur Konferenz. Er hatte die vorangegangene UN-Artenschutzkonferenz 2008 in Bonn geleitet und war seit dem Präsident der Biodiversitäts- Konvention.

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Bislang habe die Weltgemeinschaft ihre Artenschutzziele verfehlt. Bereits auf dem Weltgipfel in Johannesburg im Jahr 2002 waren die Staats- und Regierungschefs überein gekommen, den weltweiten Verlust der Artenvielfalt bis 2010 deutlich zu drosseln. In der Eröffnungsrede räumte Flasbarth ein, dass dies nicht gelungen sei. Es ist “offensichtlich, dass die Weltgemeinschaft versagt hat, dieses Ziel zu erreichen.“

Flasbarth wies aber auch darauf hin, dass Fortschritte im Artenschutz erkennbar seien, so seien die Verluste von Waldflächen in einigen Regionen zurückgegangen. Viele Länder hätten nationale Strategien für den Schutz der Artenvielfalt entwickelt, unter ihnen Deutschland im Jahr 2007. “Im internationalen Jahr der Artenvielfalt ist business as usual (ein Weitermachen wie bisher) keine Opion mehr“, sagte der Chef der Biodiversitäts-Konvention Ahmed Djoghlaf. “Jetzt ist die Zeit, um zu handeln und hier ist der Ort dafür.“

Auch der japanische Umweltminister Ryo Matsumoto warnte vor weiterem Artenverlust und rief zu schnellem Handeln auf. Matsumoto ist seit Konferenzeröffnung neuer Präsident der Konvention. Einen Kern der Verhandlungen bildet das Protokoll gegen Biopiraterie. Ziel des sogenannten ABS-Protokolls (Access and Benefit-Sharing/Aufteilung von Zugriff und Gewinn) ist es, künftig den Erlös aus biologischen Wirkstoffen gerecht zu verteilen. Demnach müssten etwa Pharmakonzerne, die Arzneien aus tropischen Pflanzen gewinnen, der Bevölkerung des Ursprungslandes der Pflanze einen Teil des Profits abgeben.

Besonders die Entwicklungsländer sprechen dem ABS-Protokoll eine große Bedeutung zu. Für sie könnte diese Vereinbarung die Chance auf einen vertraglich geregelten Technologietransfer oder zusätzliche Zahlungen aus den Industrieländern sein. Das Verabschieden eines Biopiraterie-Protokolls könnte der Schlüssel dafür sein, dass die Entwicklungsländer der ebenfalls in Nagoya auf dem Tisch liegenden globalen Artenschutzstrategie zustimmen. Als einziger Industriestaat lehnen die USA die Artenschutz- Konvention ab.

dpa

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