Unterschiede bei Kinderarmut

Bei der Kinderarmut gibt es innerhalb vieler deutscher Städte und Landkreise weiter drastische Unterschiede - zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Bertelsmann Stiftung. Von Peter Schulte-Holtey

Schon auf Länderebene weicht das Ausmaß der Kinderarmut erheblich voneinander ab. So war in Sachsen-Anhalt die Armutsquote im Jahr 2010 mit 33,2 Prozent bei den unter Dreijährigen mehr als drei Mal höher als in Bayern. Dort leben lediglich 10,1 Prozent der jüngsten Kinder in Familien, die auf staatliche Grundsicherung angewiesen sind. Erstmals weist die Bertelsmann Stiftung exemplarisch nach, dass das Armutsgefälle innerhalb ein und derselben Stadt sogar noch erheblich höher sein kann als zwischen den Regionen. Dies zeigt sich an den Städten Heilbronn (Baden-Württemberg) und Jena (Thüringen). „Das Ergebnis offenbart eklatante Unterschiede in den Lebensbedingungen der Kinder und Jugendlichen: In manchen Stadtteilen liegt die Armutsquote von Kindern unter drei Jahren nur bei etwas über einem Prozent, in anderen bei über 50 Prozent, heißt es. Innerhalb von Hessen unterscheiden sich die Armutsquoten der Regionen zum Teil sehr stark. So wuchsen nach den aktuellsten vorliegenden Regionaldaten im Jahr 2009 im Kreis Main-Taunus 9,4 Prozent der unter Dreijährigen in Armut auf, im Landkreis Werra-Meißner war der Anteil mit 22,1 Prozent mehr als doppelt so hoch.

Starke Unterschiede innerhalb Hessens

Das Ost-West-Gefälle ist nach wie vor stark, hat sich allerdings verringert. Während in den ostdeutschen Bundesländern (ohne Berlin) die Armutsquote bei den unter Dreijährigen um 5,3 Prozentpunkte auf 28,1 Prozent sank, ging im Westen die Quote im selben Zeitraum lediglich um 0,8 Prozentpunkte auf 17,2 Prozent zurück.

2010 lebten in Hessen 28 324 unter Dreijährige in Armut, was 18,3 Prozent aller Kinder dieser Altersgruppe sind. Damit liegt Hessen zwar unter dem Bundesschnitt, aber über dem Durchschnitt der westdeutschen Bundesländer von 17,2 Prozent. Gegenüber 2008 ist die Armuts-quote in Hessen um 0,6 Prozentpunkte gesunken.

Am stärksten von Armut betroffen sind weiterhin die Kinder unter drei Jahren in Berlin (36,3 Prozent). Auch Berlin verzeichnet jedoch - wie ausnahmslos alle Bundesländer - einen Positivtrend: Zwei Jahre zuvor hatte die Armutsquote dort noch bei 39,9 Prozent gelegen.

Nicht nur Hartz IV-Empfänger sind arm

Die Bertelsmann Studie bezeichnet die Zahlen in ihrer Untersuchung als „Armutsquote“. Tatsächlich handelt es sich deren Angaben zufolge jedoch um die Quote der Kleinkinder, deren Familien die staatliche Grundsicherung nach dem Zweiten Buch des Sozialgesetzbuchs, also Hartz IV, erhalten. Experten weisen darauf hin, dass die Zahl der Sozialgeldempfänger nicht mit der Zahl armer Menschen übereinstimmen muss. Auch Familien ohne Anspruch auf Hartz IV können nach anderen Definitionen als arm gelten, etwa weil sie nur wenig verdienen.

Bertelsmann-Vorstandsmitglied Jörg Dräger plädierte als Konsequenz aus der Untersuchung für eine stärkere Konzentration staatlicher Förderung auf soziale Brennpunkte.

Quelle: op-online.de

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