Kräftemessen der Ex-Präsidenten

Trump „überschätzt“? Obama rechnet im ZDF kühl ab - „Ich bin wiedergewählt worden, er nicht“

Barack Obama im Interview beim ZDF „heute journal“.
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Barack Obama im Interview beim ZDF „heute journal“.

Joe Biden ist seit 20. Januar offiziell neuer Präsident. Nach der Vereidigung schießt Ex-Präsident Barack Obama im ZDF-Interview scharf gegen Donald Trump und die Vorgänge am Kapitol.

  • Barack Obama hielt bekanntermaßen nicht viel von seinem Nachfolger Donald Trump auf dem US-Präsidentenstuhl.
  • Im Interview über Obamas Buch „A Promised Land“ teilt der Demokrat im ZDF* gegen Trump aus.
  • Auch die Sicherheitskräfte nimmt der Ex-Präsident in die Kritik - bei dem Sturm des Kapitols seien sie nicht vorbereitet gewesen.

Washington - Drei Wochen ist es inzwischen her, dass Anhänger:innen Donald Trumps das Kapitol stürmten. Am Sonntag äußerte sich der frühere US-Präsident Barack Obama zu der Aktion in einem Interview mit Moderator Claus Kleber im ZDF-„heute journal“.

Am 6. Januar hatte ein Mob aus Hunderten Trump-Anhängern, angestachelt durch eine Großkundgebung Donald Trumps, das Kapitol in der US-Hauptstadt gestürmt. Die Gewalt eskalierte, mehrere Menschen kamen ums Leben. Einige Beobachter:innen vertraten anschließend die Meinung, dass gerade weiße Protestierende vergleichsweise sanft von Polizei und Einsatzkräften behandelt worden seien.

Barack Obama im ZDF-Interview: Kritik an den Sicherheitskräften in Washington

Jenes Handeln der Sicherheitskräfte in Washington nahm der Friedensnobelpreisträger im Interview nun in die Kritik. „Überrascht bin ich auch nicht angesichts des Ausmaßes der Empfänglichkeit, die dahinterstand, dass es zu diesem Aufruhr kommen konnte in der Hauptstadt. Was mich überrascht hat, war eigentlich, wie wenig die Polizei, die Sicherheitskräfte vorbereitet waren auf solche Vorgänge in der Hauptstadt. Und das ist immer wieder angemerkt worden, seit es dazu kam“, so der 59-Jährige. Viel besorgter und auch besser vorbereitet wären die Behörden dagegen nämlich bei friedlichen Demonstrierenden wie der „Black Lives Matter“-Protestbewegung gewesen.

Im Vorfeld hatte sich der Demokrat bereits direkt nach dem Angriff auf das Kapitol geäußert, wo er von einem „Moment großer Ehrlosigkeit“ und einer „Schande für unsere Nation“ sprach. Verantwortlich für die Anzettelung der Gewalt sehe er Donald Trump, der grundlos Lügen über das Ergebnis einer rechtmäßigen Wahl verbreite.

Barack Obama im ZDF-Interview: Trump „ist ja auch nicht wiedergewählt worden“

Aber auch sonst scheint Barack Obama nicht viel vom politischen Erbe Donald Trumps zu halten. ZDF-Moderator Claus Kleber wirft im Gespräch ein, Trump sei es gelungen, „eine große, mächtige Bewegung“ zu schaffen. „Und ihm ist es gelungen, den Kurs des Landes ganz schnell zu ändern“, so Kleber. Ein Grund für Obama, gegen Trump auszuholen. Sein Einfluss sei bei weitem nicht so stark, wie ihn manche hochhalten würden: „Also, er ist ja auch nicht wiedergewählt worden, ich bin wiedergewählt worden. Zweitens: Seine Zustimmungsraten waren zu keinem Zeitpunkt so hoch, wie meine am Tiefpunkt. Selbst, wenn er an seinem höchsten Punkt war. Nein, wir neigen dazu, da gewisse Dinge zu überschätzen. Vielleicht den Einfluss, den er hatte, im Vergleich mit dem, was wir in acht Jahren zustande gebracht haben.“

Der Wahlerfolg Donald Trumps habe seinen Ursprung einerseits in teils jahrhundertealten gesellschaftlichen Konflikten in den USA, andererseits aber auch in der Finanzkrise in 2008 und 2009. „Denn sie erhöhte die Instabilität, die Ängste, die Sorgen und solche Konflikte werden in der Gesellschaft dann wahrscheinlicher, wenn die Menschen sich verunsichert fühlen. Wenn sie Angst haben, es könnte nach hinten gehen, sie könnten zurück gezwungen werden.“ Außerdem seien rechtsorientierte soziale Medien und Fernsehsender wie „Fox News“ populärer geworden, die Menschen mit falschen Informationen und Verschwörungstheorien fütterten. Das führte letztlich zu der Eskalation im Kapitol.

Barack Obama im ZDF-Interview: Joe Biden kann an alten Kurs anknüpfen

Einige Wahlversprechen von Donald Trump seien auch gar nicht aufgegangen, erklärt Barack Obama weiter. So könne der frisch im Amt sitzende US-Präsident Joe Biden immer noch gut an den früheren Kurs aus der Obama-Regierung anknüpfen. „20 Millionen Menschen haben immer noch ihre Krankenversicherung, obwohl er versprochen hat, die in die Tonne zu treten. Wenn ich an das denke, was wir im Zusammenhang mit sauberer Energie gemacht haben, Kohlenstoffemissionen und so weiter. Das geht immer noch runter und da kann Biden wieder einsteigen, unabhängig von allem, was er dazu zu kommentieren hatte.“

Der ehemalige US-Präsident ist sich einer Sache sicher, wie er es formuliert: „Am Ende der Reise werden wir und meine Politiker, die ich vertrete, die bessere Geschichte anzubieten haben und junge Menschen werden sie attraktiver finden als die rückwärtsgerichteten Geschichten von Trump.“ Und dazu gehört eben auch Joe Biden, der Vizepräsident seiner damaligen Regierung. (jh mit Material der dpa) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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