Gesundheitspolitik

Vermurkster Vorschlag

Die jüngste Gesundheitsreform wird gerade auf den Weg gebracht - doch Philipp Rösler macht schon weiter, denkt über eine Erweiterung nach, die vor allem zu Lasten der Versicherten geht: Der Minister will Kassenpatienten im großen Stil ihre Arztrechnungen künftig selbst bezahlen lassen, steuert gar auf einen Basisversicherungsschutz zu. Von Peter Schulte-Holtey

Ein vermurkster Vorschlag: Für Versicherte wären neue Kostenfallen und Ärger mit der Versicherung programmiert. Man stelle sich eine Rentnerin vor, die mit einem Altersruhegeld von 800 Euro im Monat ihre Arztrechnungen vorschießen soll; einen Arbeitnehmer, der mit 1600 Euro im Monat auskommen muss, und undurchsichtige Belege mit Riesensummen erhält. Oder soll gar eine neue Bürokratie aufgebaut werden, um sozial Schwache von der Regelung auszunehmen?

Besonders schwer wiegt: Sollte der Ausbau des Prinzips der Vorauszahlung kommen, dann gehen noch weniger Patienten bei Beschwerden rechtzeitig zum Arzt. Und eine ungerechte Drei-Klassen-Medizin (Privatversicherte, diejenigen mit Kostenerstattung und die zum Beispiel durch längere Wartezeiten bestraften Verlierer) rückt noch schneller näher. Eine gesunde Reform fürs kranke System sieht anders aus.

Wenn alle Pläne von Rösler derart wenig durchdacht sind, dann darf man sich nicht wundern, dass die Skepsis an der Gesundheitspolitik mehr und mehr wächst.

@peter.schulte-holtey@op-online.de

Quelle: op-online.de

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