Kommentar: Vernunft hat keine Chance

Das hatten wir schon mal: Kurz vor der Lehman-Pleite drohte die Ratingagentur Modys eine Herabstufung der Bank an. Es war der Todesstoß für die Investment-Gurus, denen die Märkte kein Vertrauen mehr entgegenbrachten - und es war der Beginn einer verheerenden Finanzkrise. Von Frank Pröse

Aktuell hat die Agentur Standard & Poor´s Griechenland abgestuft, woraufhin sich die Erkenntnis durchsetzt, dass Athen trotz massiver Sparanstrengungen niemals zur Schuldentilgung in der Lage sein wird. Das muss doch jetzt das Signal sein für die Bundesregierung, dem insolventen Schuldner nicht noch gutes Geld hinterherzuwerfen. Griechenland liegt am Boden, platt wie eine Flunder. Seit gestern ist es gewiss: Dem Land müsste ein dreifach umfangreicheres Hilfspaket geschnürt werden als bisher gedacht. Angesichts dieser Lage lässt sich diesem Land nur mit einer geordneten Insolvenz wieder auf die Beine helfen. Allein durch eine Umschuldung ließe sich die Schuldenlast so sehr reduzieren, dass Griechenland sich wieder günstiger refinanzieren könnte. Ein solches Vorgehen würde zwar die deutschen Gläubigerbanken und über deren Ausfälle auch den deutschen Steuerzahler treffen. Diese Milliardenhilfe hätte aber den Charme, dass ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen wäre; für die Hellenen wie für ihre Gläubiger.

Einer solchen bei Finanzklemmen üblichen Lösung stehen allerdings wieder einmal Politiker im Weg. So kommt es beispielsweise für EU-Ratspräsident Herman van Rompuy „nicht in Frage“, dass Gläubiger via Umschuldung auf Rückzahlung eines Teils ihrer Schulden verzichten müssen. „Das würde für Banken teuer“, warnt van Rompuy. Na und! Warum soll denn allein die Allgemeinheit jenes Risiko tragen, das andere wegen möglicher hoher Renditen einzugehen bereit waren? Wenn die Politik die Investoren aus jeglichem Risiko entlässt, legt sie damit den Grundstein für die nächste Katastrophe. Und mit Blick auf die anderen Wackelkandidaten wie Portugal würde die Währungs- zur reinen Transferunion. Was aber will man erwarten, wenn manche Spekulanten im Jahr in der Summe mehr verdienen als die meisten Staatshaushalte ausweisen? Leider lehren uns die bisher vergeblichen Bemühungen, dem Finanzsystem härtere Bandagen anzulegen, dass Vernunft gegen die ach so coolen Regeln der Börse immer noch keine Chance hat. Auch das wie nie verschuldete Deutschland wird der Flächenbrand noch erreichen ...

Quelle: op-online.de

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