Verschwundene Raketen

Siegfried J. Michel

Offenbach - Diese Nachricht jagt einem Angstschauer über den Rücken, führt zumindest zu einem mehr als nur mulmigen Gefühl: Aus Waffenlagern in Libyen sollen große Mengen an tragbaren Luftabwehrraketen verschwunden sein. Von Siegfried J. Michel

Jetzt wächst die Sorge in der internationalen Gemeinschaft, dass diese Waffen in die Hände von El Kaida oder anderen Terrorgruppen gelangt sein könnten.

Das Gefährliche: Die Raketen vom russischen Typ „Strela“ wiegen nur rund 10 Kilogramm, sind somit leicht zu transportieren, und können von einem einzigen Mann von der Schulter aus auf Flugziele in geringen und mittleren Höhen abgeschossen werden. Vorbereitungszeit bis zum Abschuss: nur gut zehn Sekunden. Für Terroristen ist diese Boden-Luft-Rakete also ein ideales Mittel, um zum Beispiel startende oder landende Passagiermaschinen oder mit Vertretern einer verhassten Regierung besetzte Jets vom Himmel zu holen.

Sehr eindringlich wird bei diesem Fall wieder einmal deutlich, dass aus dem lukrativen Handel mit Waffen schnell ein Bumerang werden kann, der den Herstellerländern und Exporteuren um die Ohren kracht. Es ist kein Geheimnis, dass moderne Waffensysteme auch ihren Weg in Spannungsgebiete wie etwa den Nahen Osten finden, in instabile Regionen oder in Staaten, die von Despoten geführt werden, für die Menschenrechte oder Demokratie Fremdworte sind. Wir erinnern uns noch gut an die Schlagzeilen vor wenigen Monaten, als bekannt wurde, dass man in der Bundesrepublik offenbar gerade einen Panzer-Deal mit den Herrschern in Saudi-Arabien einfädelte.

Sind die Waffen erst einmal in diesen Ländern, so garantiert auch die mit dem jeweiligen Importeur vereinbarte Endverbleibserklärung nicht, dass Gewehre, Raketen oder andere Tötungs-Werkzeuge auf dunklen Kanälen nochmals weiterverschachert werden. So ist etwa noch immer ungeklärt, wie deutsche Sturmgewehre von Heckler & Koch, die in Libyen eingesetzt wurden, in das Land gelangen konnten.

Schon lange ist klar, dass es weder einen moralischen Kompass noch eine wirkliche Kontrolle bei den Waffengeschäften auf der Welt gibt. Gelernt hat man daraus bis heute nichts, ist dann ganz erstaunt, wenn die Exportschlager auch gegen die Exporteure, seine Vertreter oder Soldaten gerichtet werden. Dann erst merken die Verantwortlichen, dass sie die bösen Geister, die sie riefen, nicht loswerden.

Quelle: op-online.de

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