Kommentar: Verzichtbar, aber zulässig

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Ralf Enders

Favoritensieg bei der Wahl zum Unwort des Jahres: Die Jury hat den Begriff „Döner-Morde“ gekürt. „Sachlich unangemessenen“, „folkloristisch-stereotyp“ und „in höchstem Maße diskriminierend“ heißt es. Von Ralf Enders

Na ja. „Döner-Morde“ ist in der Sache daneben und ein höchst verzichtbarer Begriff. Und er wurde viel zu lange benutzt. Aber ein „Unwort“? Als ihn Polizei und aufs Vermischte spezialisierte Medien geprägt hatten, war der rechtsradikale Hintergrund unbekannt. Das liegt am Versagen des Verfassungsschutzes - ein großes Thema, aber ein anderes.

Mordserien werden oft und gerne mit einem Schlagwort versehen. Diese Reduktion wird dem jeweiligen Fall in seiner ganzen Breite selten gerecht, dient aber der besseren Erkennbarkeit und der zulässigen Zuspitzung.

Es scheint, als seien Jury und Unwort-Einsender mit ihrer Wahl mehr politischer Korrektheit und Empfindlichkeiten hinterhergehechelt als einer echten sprachlichen Verfehlung.

Quelle: op-online.de

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