Praxisgebühr

Vorabpauschale wird erstattet

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Offenbach - Mit dem Wegfall der Praxisgebühr könnte sich die Befreiung von Zuzahlung nicht mehr lohnen. Nachrechnen sollten vor allem Patienten mit mitversicherter Familie. Von Domenico Sciurti

Jährlich lassen sich zehntausende Versicherte bei ihren Krankenkassen von Zuzahlungen befreien. Wer wenig verdient oder chronisch krank ist, entrichtet eine vom Bruttogehalt abhängige Pauschale, um dann beispielsweise nichts mehr für Medikamente oder Krankenhausaufenthalte bezahlen zu müssen. Auch die Praxisgebühr fiel bisher unter diese Reglung, doch mit ihrer Abschaffung ab Januar könnte sich die Vorabpauschale und damit die Befreiung von Zuzahlungen für einige Versicherte nicht mehr lohnen.

Allein bei der AOK haben sich für das kommende Jahr bereits etwa 40 000 Versicherte deutschlandweit von Zuzahlungen befreien lassen. Fällt die Praxisgebühr ab Januar weg, könnten einige Menschen mit ihren Kosten für medizinische Leistungen unter die Belastungsgrenze von zwei Prozent des jährlichen Bruttoeinkommens rutschen. Bei chronisch Kranken liegt die Grenze sogar bei nur einem Prozent. Dadurch würden sie mehr Geld für die Befreiungspauschale bezahlen, als für Zuzahlungen während des ganzen Jahres.

Genau nachrechnen

Doch Betroffene müssen nicht befürchten, für 2013 nun mehr Geld auszugeben, als sie eigentlich müssten. Wer bis zum Jahresende einen formlosen Antrag an die Krankenversicherung stellt und den Befreiungsausweis zurückschickt, der bekommt den Pauschalbetrag erstattet, teilt AOK-Pressesprecher Riyad Salhi mit. Anträge, die erst im kommenden Jahr gestellt würden, könnten allerdings nicht mehr angenommen werden, ergänzt er.

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„Diejenigen, die bisher Zuzahlungen knapp über der Belastungsgrenze hatten, sollten nachrechnen“, rät Daniela Hubloher von der Verbraucherzentrale Hessen. Wer mit der Abschaffung der Praxisgebühr nicht mehr über die ein beziehungsweise zwei Prozent des jährlichen Bruttoeinkommens komme, für den lohne sich die Befreiung nicht mehr, erläutert sie. Dies könne vor allem dann zutreffen, wenn Familienmitglieder mitversichert sind. Dennoch: „Die Vorauszahlung wird immer noch ein sinnvoller Weg sein, der sich rechnet“, betont Pressesprecher Salhi. Auch „mit dem Wegfall der Praxisgebühr“, ergänzt er. Bevor ein Versicherter also die Erstattung der Vorabzahlung geltend machen wolle, solle er genau nachrechnen, ob er auch wirklich unter die Belastungsgrenze fällt. Wer sich nicht sicher ist, könne sich bei den Beratungsstellen der AOK helfen lassen.

Noch hat die Abschaffung der Praxisgebühr nicht dazu geführt, dass Versicherte die AOK stürmen, um sich ihr Geld zurückzuholen. Die Zahl derjenigen, die ihren Pauschalbetrag erstatten bekommen möchten, sei „sehr gering“, sagt Salhi. Aktuell liege sie im lediglich im zweistelligen Bereich. Dann fügt er hinzu: „Wir rechnen mit weitere Anträgen auf Vorauszahlungen.“

Quelle: op-online.de

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