Wähler überzeugen

FDP-Frontmann Florian Rentsch gibt sich zumindest nach außen optimistisch.

Er rechne trotz der angekündigten Kampfkandidaturen um Ämter in der Parteispitze damit, dass unter Führung des designierten Parteichefs Philipp Rösler der Neuanfang bei den Liberalen gelingen werde, verkündete der Vorsitzende der FDP-Fraktion im hessischen Landtag tapfer und zuversichtlich.

Beim Wahlvolk ist man dagegen eher skeptisch. Laut einer Emnid-Umfrage für die „Bild am Sonntag“ trauen derzeit 80 Prozent der Deutschen Rösler nicht zu, die Liberalen aus dem Tief zu holen. 54 Prozent meinen sogar, dass die FDP 2013 nicht wieder in den Bundestag kommt.

Auf die neue FDP-Hoffnung kommt also eine Herkulesaufgabe zu. Er muss die Wähler überzeugen, dass seine Partei zu einem echten Neuanfang bereit ist. Seine höchste Hürde dabei: Wenn er jetzt Nachwuchskräfte befördern will, geht es doch in fast allen Fällen um Frauen und Männer, die zum alten Führungsteam gehören; er selbst ist keine Ausnahme. Ein weiteres Problem: Während die FDP früher einmal eine Partei beruflich etablierter und damit unabhängiger Einzelkämpfer war, drängen heute junge Karriere-Politiker an die Macht, die nur sehr wenige politische Taten vorzuweisen haben. Kein Wunder, dass es ihnen bislang nicht gelingt, für Aufbruchstimmung zu sorgen.

Mit größter Spannung werden also viele in der FDP die für morgen angekündigten Wahlen zur Fraktionsspitze beobachten. Für die Partei könnte es ein historisches Datum werden. Wenn in den nächsten Tagen entscheidende Weichenstellungen, inhaltliche und personelle, wieder nicht gelingen, dann wird die Partei auf Jahre hinaus in ihrer augenblicklichen Bedeutungslosigkeit verharren, wenn nicht gar völlig von der Parteienlandkarte verschwinden. Die bürgerlichen Grünen stehen ja schon zur Wachablösung bereit.

peter.schulte-holtey@op-online.de

Quelle: op-online.de

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