Kalte Schulter

Kommentar: Weltweite Flüchtlingswelle

Noch mal Zehntausend oder vielleicht auch Dreißigtausend aus Syrien? Noch einmal einige Millionen Euro von der Bundesregierung für die vielen Frauen und Kinder, die im Nahen Osten auf der Flucht sind? Von Peter Schulte-Holtey

Was für unwürdige Zahlenspiele finden derzeit wieder in Deutschland statt, wenn es um die Aufnahme und Unterstützung von weiteren Asylbewerbern und Flüchtlingen geht. Wie lange wollen wir denn noch warten? Tausende sind doch bereits auf ihrem Weg in die ersehnte Freiheit jämmerlich ertrunken. Das Mittelmeer ist längst ein Massengrab. Und wie reagiert unser Land? Es weist noch immer viel zu viele Flüchtlinge ab, zeigt ihnen die kalte Schulter.

Wenn Menschen derart dringend Hilfe benötigen, wie seit drei Jahren Millionen Syrer, wenn sie in ihrer Not und Angst nur den Ausweg sehen, schnellstmöglich ihr Haus zu verlassen, um ihr Leben zu retten, dann ist es doch die Pflicht derer, die dieses Problem nicht haben, Obhut zu gewähren. Nicht nur die vielen Deutschen, die nach dem Krieg zur Flucht gezwungen wurden, werden dies bestätigen.

Fast jeden Tag zeigt sich deutlicher, dass es Zeit zum Umdenken wird. Denn Europas Politiker setzen leider weiter auf die kurzsichtigste aller Strategien: das Vertagen von Entscheidungen. So werden lediglich Grenzkontrollen verstärkt und bessere Überwachungssysteme eingeführt. An den Kern des Problems wagt man sich nicht. Die Ursachen für die riesige weltweite Flüchtlingswelle müssen konsequenter angegangen werden, Außenpolitik sollte einen neuen Stellenwert in Deutschland bekommen. Die Menschen verlassen ihr Land doch vor allem, weil ihnen immer häufiger die Lebensgrundlagen fehlen und weil ausländische Staaten in ihrer Heimat Kriege finanzieren, ihnen das Leben zur Hölle machen.

Deutschland sollte in dieser verfahrenen Situation als eines der reichsten und weltweit einflussreichsten Länder Flagge zeigen, mutiger, menschlicher und entschlossener seiner humanitären Verantwortung nachkommen. Eine umfassende politische Initiative auf EU-Ebene, zur Lösung des Flüchtlingshorrors an Italiens Küsten, könnte am Anfang stehen.

Quelle: op-online.de

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