Westerwelle in Afghanistan

Kommentar: Werbe-Feldzug im Kampfgebiet

Es ist nicht ungewöhnlich, dass ein Außenminister ins Ausland fliegt. Dass er dort stationierte Truppen seines Landes besucht, liegt ebenfalls in seinem Geschäftsbereich. Von Ralf Enders

Insofern haftet dem Kurzbesuch von Guido Westerwelle im Feldlager Kundus nichts an, womit sich das in Mode gekommene Mobbing gegen den unglücklich agierenden Außenminister und FDP-Chef befeuern ließe.

Westerwelle hat in Kundus seinen Job erledigt - in seinem angeschlagenen Zustand ist das eine Nachricht wert. Er hat Dinge gesagt, die ein Außenminister ungeachtet der Selbstverständlichkeit eben zu sagen hat: Der Einsatz der deutschen Soldaten sei „gefährlich und entbehrungsreich“. Er muss auch nicht wie Verteidigungsminister zu Guttenberg in burschikosen Cargo-Hosen oder wie Kanzlerin Merkel im saloppen Anorak in Afghanistan auftauchen. Allein die Feinheit, dass er als Außenminister gehalten sei, völkerrechtlich präzise zu formulieren und mithin - im Gegensatz zu Merkel und Guttenberg - nicht von Krieg sprechen mag, ließ aufhorchen.

Es ist halt Afghanistan-Saison in der Bundespolitik. Am 28. Januar soll der Bundestag das Bundeswehr-Mandat für den Einsatz verlängern, und die Regierungskoalition ist um größtmögliche Unterstützung für die heikle Mission bemüht. Noch vor Weihnachten waren Merkel und Guttenberg in Kundus, jetzt Westerwelle.

Die Soldaten in der gefährlichen Region werden sich daran gewöhnt haben, dass sich Spitzenpolitiker auf ihrem Werbe-Feldzug die Zeltplane in die Hand geben und ihnen die Hände schütteln. Endlich ein klarer Fahrplan für die Rückkehr nach Hause wäre ihnen wahrscheinlich lieber.

Quelle: op-online.de

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