Politischer Aschermittwoch

Kommentar: So wertvoll wie noch nie

Wenn es stimmt, dass der politische Aschermittwoch immer auch eine Wegmarke war, eine Art Ortsbestimmung der Parteien zwischen Karneval und innerer Reinigung, Besinnung und Aufbruch zu neuen Taten, dann zeigen uns die Reden des gestrigen Tages zweierlei. Von Tibor Pézsa

Erstens: Unsere Parteien sind sich ähnlich, so ähnlich, dass man sie fast verwechseln könnte. Und zweitens: Sie wünschen sich sehr, dass dies nicht so wäre.

So kommt es, dass der gerade erst zurückgetretene Karl Theodor zu Guttenberg politisch nie so wertvoll war wie heute, besonders natürlich für die CSU. Denn anders als früher, als im Prinzip alle den Mann aus Franken mochten, spaltet er heute das Volk. Gut für die einen, gut für die anderen. Wo ein Feind im Auge behalten werden muss, schaut man beim Freund nicht mehr ganz so genau hin. Das ist der Grund, weshalb CSU-Chef Horst Seehofer, dessen politisches Schicksal ja nicht gerade an inhaltliche Positionen geknüpft ist, den Geist seines schärfsten innerparteilichen Konkurrenten umso herzergreifender beschwört, je weiter der weg ist.

Und die anderen? Die nutzen das Spaltpotenzial des Freiherrn ebenso enthusiastisch. Nur Guido Westerwelle erinnerte an Steuersenkungen, aber nur so: „Natürlich muss es weitergehen.“ Mit mehr Klarheit darf das Publikum wegen anstehender Wahlen keinesfalls rechnen. Bauerntheater hin, Shakespeare her: Spätestens in Stuttgart am 27. März geht es wieder ums Ganze.

Quelle: op-online.de

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