Wikileaks von über 70 Adressen aus erreichbar

Berlin - Nach der Blockade der zentralen Internet-Adresse von Wikileaks haben Unterstützer des Projekts bis Sonntag mehr als 70 andere Adressen für die Enthüllungsplattform eingerichtet.

Mit solchen “Mirrors“ (Spiegelungen) der Website an unterschiedlichen Orten werde es unmöglich, “Wikileaks jemals völlig aus dem Internet zu verbannen“, erklärten die Betreiber der Plattform.

Die zentrale Adresse wikileaks.org ist seit Freitag nicht mehr erreichbar, weil die US-Firma EveryDNS.net, bei der diese Adresse geführt wurde, den Eintrag aus ihrer Datenbank entfernt hat. Der Anbieter begründete die Entscheidung mit fortgesetzten Hackerangriffen auf wikileaks.org. Dies wird allerdings von Internet-Experten als Vorwand betrachtet.

Auch andere US-Firmen wie Amazon und der Bezahlservice PayPal haben ihre Geschäftsverbindungen zu Wikileaks abgebrochen. Auch die Schweizer Internet-Adresse wikileaks.ch war zeitweise nicht mehr verfügbar, da diese ebenfalls über EveryDNS.net lief. Die Piratenpartei der Schweiz, die die Adresse registriert hat, konnte aber den Betreiber des sogenannten Name-Servers wechseln, so dass wikileaks.ch am Wochenende wieder erreichbar war.

Die Regierung der USA hat die Veröffentlichung von vertraulichen Depeschen ihrer Botschaften in aller Welt scharf kritisiert und prüft rechtliche Schritte.

Westerwelle will IT-Sicherheit im Außenamt prüfen

Nach den jüngsten Enthüllungen der Internetplattform Wikileaks hat Außenminister Guido Westerwelle (FDP) Konsequenzen für sein Ministerium angekündigt. Das Haus werde prüfen, ob durch die Veröffentlichung der Dokumente “Sicherheitsinteressen unseres Landes oder unserer Verbündeten betroffen sind“, sagte Westerwelle am Sonntag in Berlin.

Wikileaks: So denken die Amis WIRKLICH über Merkel & Co.

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Geklärt werde auch, ob die IT-Sicherheit im Ministerium verbessert werden müsse. Außerdem habe das Außenamt die eigenen Auslandsvertretungen “noch einmal gebeten, wie bisher auch, in angemessener Weise sachlich und analytisch zu berichten“.

Durch die Veröffentlichung war bekannt geworden, dass ein FDP-“Maulwurf“ die amerikanische Botschaft in Berlin mit Informationen aus den Koalitionsverhandlungen versorgt hat. Als Informant wurde Westerwelles bisheriger Büroleiter in der Parteizentrale, Helmut Metzner, enttarnt.

Österreich reagiert beleidigt auf Wikileaks-Berichte

Die Regierungsmannschaft des neutralen Österreich findet den neuesten Wikileaks-Enthüllungen zufolge wenig Anerkennung bei den USA. Die Kritisierten reagierten am Sonntag leicht verschnupft auf die vom Nachrichtenmagazin “Der Spiegel“ veröffentlichten US-Depeschen.

Nach dem Bericht äußern sich US-Diplomaten mehrfach enttäuscht, frustriert oder besorgt über ihre Ansprechpartner im Alpenland. Der sozialdemokratische Bundeskanzler Werner Faymann habe kein Interesse an Außenpolitik und Außenminister Michael Spindelegger sei weitgehend darauf konzentriert, die österreichische Wirtschaft zu fördern, lautete das Urteil. Auch Verteidigungsminister Norbert Darabos kommt schlecht weg: Er hat aus Sicht der Amerikaner kein Interesse an Außen- und internationaler Sicherheitspolitik und will seine Truppen nicht zu gefährlichen Einsätzen ins Ausland schicken. Insgesamt diagnostizieren die Diplomaten eine Kluft zwischen der internationalen Bedeutung, die sich Österreich selbst zumisst, und seiner tatsächlichen - zunehmend bescheidenen - Leistung.

Die Betroffenen reagierten am Sonntag wenig amüsiert: “Wir erwarten uns eine Klarstellung des amerikanischen Botschafters“, ließ der Verteidigungsminister nach Angaben der österreichischen Nachrichtenagentur APA über seinen Sprecher ausrichten. Der Minister sei sehr überrascht und verwundert über die Kritik, die nicht Ausdruck eines hohen politischen Verständnisses sei. Der Sprecher des Bundeskanzlers bezeichnete die Berichte als “Einzelmeinung von Diplomaten“. Ein neutraler Staat wie Österreich treffe seine Entscheidungen souverän.

Universität warnt Studenten vor Kommentaren zu Wikileaks

Wer eine Karriere im diplomatischen Dienst der Vereinigten Staaten plant, sollte sich mit Online-Kommentaren zu den von Wikileaks veröffentlichten Dokumenten zurückhalten. Das empfiehlt zumindest die Elite-Universität Columbia in New York ihren Studenten. Ein Universitätssprecher bestätigte am Samstag, dass die Berufsberatung der Hochschule eine entsprechende E-Mail an die Studenten der Fakultät für Internationale Beziehungen verschickte.

Ein ehemaliger Student, der heute im Außenministerium beschäftigt sei, habe die Beratungsstelle kontaktiert und darauf hingewiesen, dass die Regierung die Dokumente immer noch als geheim betrachte. Online-Kommentare über die Papiere, “würden Ihre Fähigkeiten in Zweifel ziehen, mit geheimen Informationen umzugehen“, hieß es in der E-Mail an die Studenten.

dpa/dapd

Rubriklistenbild: © dpa

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