Universität: Guttenberg hat vorsätzlich getäuscht

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Die Universität Bayreuth hat Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) “vorsätzliches wissenschaftliches Fehlverhalten“ bei seiner Doktorarbeit bescheinigt.

Bayreuth - Der Ex-Verteidigungsminister hat es jetzt Schwarz auf Weiß: Nach Überzeugung der Uni Bayreuth täuschte Guttenberg bei seiner Doktorarbeit vorsätzlich. Doch damit hat der Ärger für den CSU-Politiker noch kein Ende.

Das Urteil war wie erwartet verheerend: Der Ex-Verteidigungsminister

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Karl-Theodor zu Guttenberg täuschte bei seiner Doktorarbeit nach Überzeugung der Universität Bayreuth vorsätzlich und verletzte grob die Standards guter wissenschaftlicher Praxis. Das hat der CSU-Politiker nun Schwarz auf Weiß auf mehr als 40 Seiten: Gut zwei Monate nach dem Rücktritt vom Ministeramt gab die Kommission “Selbstkontrolle in der Wissenschaft“ das Ergebnis ihrer Untersuchungen bekannt.

Doch damit hat der Ärger für Guttenberg noch lange kein Ende: Bei der Staatsanwaltschaft in Hof liegt ein Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Urheberrecht. Dort stauen sich mittlerweile mehr als 100 Anzeigen gegen den bis vor kurzem populärsten deutschen Politiker.

Anfangs hatte der Freiherr aus dem gleichnamigen oberfränkischen Ort Guttenberg die Plagiatsvorwürfe in seiner 475-seitigen juristischen Dissertation noch als “abstrus“ zurückgewiesen. “Meine von mir verfasste Doktorarbeit ist kein Plagiat“, erklärte er noch am 18. Februar selbstbewusst. Um Verständnis werbend verwies der 39-Jährige darauf, dass er die Arbeit über sieben Jahre hinweg neben seiner Berufs- und Abgeordnetentätigkeit “als junger Familienvater in mühevollster Kleinarbeit“ geschrieben habe Schon an jenem Tag, als er sich noch selbstbewusst in seinem Ministerium vor einem kleinen Kreis wartender Journalisten präsentierte, räumte er aber ein, dass die Arbeit fraglos Fehler enthalte. In den folgenden Tagen wurden die Plagiatsvorwürfe immer lauter - und der Noch-Minister immer kleinlauter.

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Bereits drei Tage später bat er die Universität Bayreuth, seinen Doktortitel zurückzunehmen. Ihm seien “gravierende handwerkliche Fehler unterlaufen“, schrieb er. Knappe 48 Stunden später, am 23. Februar, erkannte ihm die Hochschule den Doktortitel ab. Am 1. März trat Guttenberg von seinem Ministeramt zurück und legte auch sein Bundestagsmandat nieder. Das Ergebnis der strafrechtlichen Ermittlungen und eine mögliche Anklage gegen den Ex-Minister werden sicher noch einige Zeit auf sich warten lassen.

Die Selbstkontrollkommission der Universität Bayreuth hat ihr Urteil über ihren ehemaligen Doktoranden dagegen bereits gefällt. Über die ganze Arbeit verteilt fänden sich Stellen, die als Plagiat zu qualifizieren seien, hieß es am Freitag in einer Mitteilung. Das gelte vor allem für die Ausarbeitungen, die der wissenschaftliche Dienst des Bundestages für ihn übernommen habe Bewusst habe sich Guttenberg immer wieder die Autorenschaft angemaßt. Auf gut Deutsch heißt das: Er hat abgeschrieben, ohne - wie in der Wissenschaft unerlässliche Pflicht - die Quellen kenntlich zu machen. Seit seinem Rücktritt als Verteidigungsminister hat sich der einstige Medienstar komplett zurückgezogen. Nur einmal tauchte Guttenberg noch in der Öffentlichkeit auf: Am 19. März legte er auch den Vorsitz der CSU Oberfranken nieder. Für die Medien hatte der einstige Strahlemann damals nur noch ein freundliches “Guten Morgen“ und “Auf Wiedersehen“ übrig.

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Sichtlich geknickt verabschiedete er sich von seinen Getreuen an der Parteibasis und ging ohne eine Erklärung an den wartenden Journalisten vorbei zu seinem Auto. Vor gut zwei Wochen brachten seine Anwälte überraschend Vorbehalte gegen die Veröffentlichung des Berichts der Selbstkontrollkommission an. Doch Guttenberg stimmte am Ende wohl einer Veröffentlichung zu. Der gesamte Bericht soll am kommenden Mittwoch veröffentlicht werden - inklusive der Stellungnahme des Politikers zu den Plagiatsvorwürfen. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins “Der Spiegel“ sprach der Ex-Minister darin von einem “Missverständnis“.

dpa

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