Wulff in der Türkei: Religionsfreiheit ist Thema

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Bundespräsident Wulff bei seiner Ankunft in Russland.

Berlin - Bundespräsident Christian Wulff wird sich bei einem Staatsbesuch in der Türkei für die Religionsfreiheit einsetzen.

Das Staatsoberhaupt fliegt am Montag nach Ankara, am Dienstag beginnt in der türkischen Hauptstadt der offizielle Teil des viertägigen Staatsbesuchs.

Wulff führt in Ankara mit seinem Amtskollegen Abdullah Gül und mit Ministerpräsident Tayyip Erdogan Gespräche und hält als erstes deutsches Staatsoberhaupt vor der türkischen Nationalversammlung eine Rede. Zuletzt hatte Bundespräsident Johannes Rau dem Land vor zehn Jahren einen Staatsbesuch abgestattet.

Bei dem Staatsbesuch, der bereits von Wulffs zurückgetretenem Vorgänger Horst Köhler vereinbart worden war, wird “die Religionsfrage eine wichtige Rolle spielen“, hieß es aus dem Bundespräsidialamt. “Das Thema Religionsfreiheit ist klar gesetzt.“

99 Prozent der über 70 Millionen Türken sind Muslime. Die kleine christlichen Minderheit muss mit Schikanen leben. Wulff, der bei seiner Rede zur deutschen Einheit gesagt hatte, dass auch der Islam zu Deutschland gehört, will sich nun am Bosporus für die Rechte der rund 100.000 Christen einsetzen.

Geplant sind eine Unterredung mit dem Vorsitzenden der türkische Religionsbehörde Diyanet, Ali Bardakoglu, ein Gespräch mit Würdenträgern aller christlichen Kirchen samt ökumenischem Gottesdienst in Tarsus sowie ein Treffen mit dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I. In Istanbul will Wulff, der von seiner Frau Bettina und einer Wirtschaftsdelegation begleitet wird, außerdem den Grundstein für die Deutsch-Türkische Universität legen. Auch Bildungsministerin Annette Schavan und die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (beide CDU) werden bei dem Gründungsakt dabei sein. Am Freitagabend wird der Bundespräsident in Berlin zurückerwartet.

Laut einer Umfrage der “Bild“-Zeitung (Montagausgabe) soll Wulff nach Meinung der Bundesbürger der Türkei keinerlei Hoffnung auf einen baldigen EU-Beitritt machen. Zu diesem Ergebnis komme eine online-gestützte Repräsentativumfrage des Instituts YouGov. Auf die Frage “Sollte der Bundespräsident der Türkei Hoffnung auf einen EU-Beitritt in absehbarer Zeit machen?“ hätten 72,5 Prozent der Befragten mit Nein geantwortet, nur 13,2 Prozent mit Ja.

dapd

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