Integrationsdebatte

Kommentar: Wulffs Rezept überzeugt

Einige Politiker in der Union haben es wohl nicht erwartet, dass einer der Ihren so etwas sagt. Aber Bundespräsident Christian Wulff hat mit seinem Ausspruch „Der Islam gehört auch zu Deutschland“ eine Diskussion beflügelt, die auch CDU/CSU gut tut. Von Peter Schulte-Holtey

Es geht um eine Integrationsdebatte, die nicht eine populistische Abwehrhaltung à la Thilo Sarrazin als Grundlage wählt, sondern Wulffs Geste an all diejenigen, die sich gerne als Deutsche in diesem Land fühlen wollen - auch wenn sie andere Wurzeln haben. Das Rezept des Staatsoberhauptes überzeugt.

Dabei sollte jetzt vor allem auf diejenigen gehört werden, die jeden Tag vor Ort mit den eklatanten Problemen bei der Integration konfrontiert werden. So sagt der Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln, Heinz Buschkowsky, es sei wichtig, dass der Präsident Grundwerte wie Menschenwürde, Meinungsfreiheit und Gleichberechtigung unterstrichen habe; aber Wulff hätte auch darauf hinweisen sollen, dass muslimische Eltern ihre Kinder im Sinne dieser Werte erziehen müssen. Buschkowsky: „Wenn sie das nicht tun, muss der Staat an ihre Stelle treten - in Gestalt von Kinderkrippen, Kindergärten und Ganztagsschulen.“

Stimmt! Wulff hat den richtigen Ansatz geliefert, jetzt geht es ans Ausgestalten: Integration ist ohne das Aufbrechen von Parallelwelten und archaischen Verhaltensmustern in islamischen Familien unter anderem durch wesentlich stärkere Förderung von Bildungschancen zum Scheitern verurteilt. Auch ein gewisser Druck wird von Nöten sein, den Nachwuchs mit Migrationshintergrund möglichst frühzeitig in das deutsche Erziehungssystem zu drängen. Der Ausbau der Ganztagseinrichtungen wie auch mehr Chancen zum Bildungsaufstieg im Schulsystem sind als Maßnahmen ja lange bekannt. Aber wirksame Reformen für die Bildungsbenachteiligten kommen immer noch viel zu schleppend voran.

Quelle: op-online.de

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