Mangel an Erziehern

Zahlen zum Kita-Ausbau stoßen auf Skepsis

Berlin - Den zum 1. August befürchteten großen Mangel an Kita-Plätzen wird es nicht geben, versichert das Familienministerium. Doch Skepsis bleibt - hinzu kommen Zweifel an der Qualität der Kinderbetreuung.

Die Zusicherung der Bundesregierung, dass zum 1. August ausreichend Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren zur Verfügung stehen werden, stößt auf Skepsis. Zweifel an den von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) verkündeten Zahlen äußerte der Deutsche Städtetag. Die Angaben der Länder seien „deutlich überzeichnet“. Außerdem stehe ein großer Teil der in Planung befindlichen Kita-Plätze noch nicht zur Verfügung, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ (Freitag) unter Berufung auf ein internes Schreiben von Städtetag-Hauptgeschäftsführer Stephan Articus.

Nach Darstellung des Familienministeriums könnten zum Stichtag mehr als 800 000 Plätze bereitstehen, mehr als ursprünglich geplant. Am 1. August tritt der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für ein- und zweijährige Kinder in Kraft.

Nach Einschätzung der Bundesanstalt für Arbeit verschärft der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz für Kleinkinder den Mangel an ausgebildeten Erziehern. Bis 2016 rechne die Bundesbehörde mit einer Lücke von 20 500 Fachkräften, berichtete die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Freitag) unter Berufung auf ein internes Papier.

Zudem könnten viele arbeitslose Kandidatinnen in diesem Jahr nicht die gewünschte Umschulung zur Erzieherin beginnen. „Wir haben derzeit 1500 Kandidatinnen in der Warteschleife“, zitiert das Blatt eine Behördensprecherin. Alle hätten einen Eignungstest gemacht, viele auch ein Schnupperpraktikum. Allerdings hätten einige Bundesländer wie Niedersachsen oder Thüringen bislang nicht die nötigen Voraussetzungen für die Weiterbildungsmaßnahmen geschaffen.

Sorgen um die Qualität der frühkindlichen Bildung äußerte der Deutsche Kinderschutzbund. „Wenn wir jetzt mehr als 800 000 Betreuungsplätze für unter Dreijährige haben, (...) ist (das) ein atemberaubender Zuwachs“, sagte Präsident Heinz Hilgers der „Passauer Neuen Presse“ (Freitag). Allerdings wären dann „60 000 Erzieherinnen und Erzieher zusätzlich notwendig“, um die Qualität der Betreuungsplätze zu sichern.

„Mir kann niemand erzählen, dass man so viel Extra-Personal eingestellt hat“, sagte Hilgers. „Das gibt der Arbeitsmarkt nicht her. Das ist ein Ding der Unmöglichkeit in so kurzer Zeit“. Er gehe davon aus, „dass die Personalschlüssel heimlich, still und leise weiter verschlechtert worden“ seien, was „einen massiven Qualitätsverlust“ bedeute. Als Konsequenz forderte Hilgers ein Bundesgesetz, das den Ländern klare Vorgaben für Personalschlüssel und Qualität macht.

dpa

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