Atomgespräche

Kommentar: Die Zeit für Spiele läuft ab

Die unendliche Geschichte, zu der sich die Verhandlungen über das iranische Nuklearprogramm inzwischen entwickelt haben, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es dabei um eine der ernstesten Herausforderungen geht, der sich die Welt seit dem Ende des Kalten Krieges gegenübersieht. Von Lorenz von Stackelberg

In Genf tagt wieder eine jener quälenden Runden, in denen Teheran seit 2003 gebetsmühlenhaft Dialogbereitschaft signalisiert, um ebenso regelmäßig die kategorische Feststellung nachzuschieben, das Programm sei nicht verhandelbar. Und fleißig daran zu arbeiten.

Neu ist dieses Mal allerdings, dass sich das Mullah-Regime dank der Wikileaks-Indiskretionen nicht mehr über die Unruhe hinwegtäuschen kann, die seine Ambitionen unter arabischen Nachbarn ausgelöst hat. Präsident Ahmadinedschads aufgeregte Reaktion auf die Aufforderung des saudischen Königs Abdullah an die USA, „der Schlange den Kopf abzuschlagen“, zeigt, dass der Hieb gesessen hat. Dennoch ist nicht davon auszugehen, dass der Iran von sich aus sein Streben nach der Bombe aufgeben wird: Immerhin ließe sich mit ihr Israel bedrohen, die Hegemonie über die Region zementieren und ein unüberwindlicher Schutzschild gegen Angriffe von außen installieren. Das alles kann nicht im Interesse Chinas und Russlands liegen, jener beiden Mächte, die Teheran aus egoistischen Interessen stets ein Türchen offen ließen, um seinen Nuklear-Poker fortzusetzen.

Aber jetzt läuft die Zeit für Spiele ab.

Quelle: op-online.de

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