Stiller Geburtstag - Manfred Kanther wird 70

Kanther
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Manfred Kanther ( CDU ) wird am Dienstag 70 Jahre alt.

Wiesbaden -„Schwarzer Sheriff“ und schwarze Kassen: Diese Begriffe werden gemeinhin mit Ex-Bundesminister Manfred Kanther verbunden. Ein Porträt zum 70. Geburtstag.

Hessens CDU verdankt ihm sehr viel, aber einen Empfang zum runden Geburtstag schenkt sie ihm trotzdem nicht: Denn mit Manfred Kanther verbindet sich nicht nur ihr Aufstieg zur stärksten politischen Kraft des Landes, sondern auch eine Affäre, die sie an den Rand des Abgrunds brachte. Der einst als “Schwarzer Sheriff“ titulierte Ex-Bundesinnenminister wird vor allem als Hauptverantwortlicher eines illegalen Finanzierungssystems im Gedächtnis bleiben, das die CDU teuer zu stehen kam: Sie musste 21 Millionen Euro staatlicher Mittel zurückzahlen. An diesem Dienstag (26. Mai) wird Kanther 70 Jahre alt.

Als der mit 18 aus der DDR geflohene gebürtige Schlesier 1970 CDU - Landesgeschäftsführer wurde, galt Hessen als rotes Musterland. Zusammen mit dem damaligen Vorsitzenden Alfred Dregger steuerte Kanther einen prononciert konservativen Konfrontationskurs gegen die sozialdemokratische Reformpolitik vor allem in den Schulen. Binnen weniger Jahre überholte die einst unbedeutende Hessen-Union die SPD . Als sie 1987 schließlich die Macht übernahm, wurde der als überaus sparsam geltende Kanther Finanzminister.

Zu diesem Zeitpunkt hegte der stets als Inbegriff der Korrektheit auftretende CDU -Politiker ein Geheimnis: Ende 1983 hatte er zusammen mit dem damaligen Parteischatzmeister Casimir Prinz zu Sayn- Wittgenstein und dem Wirtschaftsprüfer Horst Weyrauch knapp 21 Millionen Mark (rund 10,6 Millionen Euro) Parteivermögen in die Schweiz verschoben - und damit der Veröffentlichungspflicht entzogen. Als Kanther ein Vierteljahrhundert später deswegen vor Gericht stand, berief er sich auf die aufgeheizte politische Atmosphäre jener Jahre und die Sorge um die Handlungsfähigkeit der Christdemokratie.

Während das Geld Wahlkämpfe und andere Aktivitäten der Hessen-CDU mitfinanzierte, stieg Kanther weiter auf. Er wurde Landesvorsitzender und 1993 Bundesinnenminister. In dieser Funktion machte sich einen Namen als Vorkämpfer für mehr Polizeibefugnisse und als hartnäckiger Gegner eines Einwanderungsgesetzes. Bevor ihn der rot-grüne Wahlsieg 1998 das Amt kostete, brachte er noch den Aufbau einer zentralen DNA- Datei beim Bundeskriminalamt auf den Weg.

Anfang 2000 flog die schwarze Kasse auf, Kanther musste seinen Abgeordnetensitz räumen, die Wiesbadener Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen wegen Untreue auf. CDU -Landeschef Roland Koch , dem eine Mitwisserschaft nie nachgewiesen wurde, konnte seine politische Existenz nur mit Mühe retten. Seitdem ist die Atmosphäre zwischen ihm und Kanther eisig. Die Schwarzgeldaffäre ist juristisch erledigt, seit Kanther 2006 in zweiter Instanz einer Geldstrafe von 54 000 Euro wegen Untreue zulasten seiner Partei zustimmte. Der sechsfache Vater hat sich ganz ins Privatleben zurückgezogen und arbeitet in Wiesbaden als Rechtsanwalt. Interviews gibt er keine mehr.

Von Wolfgang Harms, dpa

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