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Kommentar zur Böhmermann-Türkei-Affäre

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Rudolf Ogiermann

Man stelle sich vor: Ein ausländisches Staatsoberhaupt, noch dazu der Chef eines autoritären Regimes, verlangt von der Bundesregierung, einen Satiriker bestrafen zu lassen, weil er sich von diesem beleidigt fühlt. Und setzt sich damit durch.Von Rudolf Ogiermann

Ein unerträglicher Vorgang, der das Grundgesetz, das die Meinungs- und Kunstfreiheit aus guten Gründen schützt, aus den Angeln heben würde. Niemand anderes als deutsche Gerichte haben über solche elementaren Rechte zu befinden. Deshalb sollte ein Ermittlungsverfahren gegen Jan Böhmermann wegen seines Schmäh-„Gedichts“ gegen Recep Tayyip Erdogan – sollte es aufgrund der aktuellen deutschen (!) Rechtslage überhaupt dazu kommen – zügig eingestellt werden. Schon um jeglichen Verdacht zu zerstreuen, die hiesige Justiz setze – aus welchen Motiven auch immer – Rechtsauffassungen anderer Staaten und ihrer Führer durch.

Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite muss schon die Frage erlaubt sein, ob Böhmermanns bösartiges, humorfreies, nicht einmal in Auszügen zitables Traktat wirklich Satire ist. Eine Beleidigung bleibt eine Beleidigung, auch wenn man sich vorher davon distanziert. Deutschland hat viele exzellente Kabarettisten, die furchtlos die Dinge beim Namen nennen – nach innen und nach außen. Dass viele Kommentatoren ausgerechnet Böhmermanns „Gedicht“ nun als Maßstab für schützenswerte Kunst nehmen, ist wirklich ein Witz.

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Quelle: op-online.de

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