Nach Toten bei Anschlag

Auswärtiges Amt zieht Helfer aus dem Jemen ab

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Sanitäter bergen die Leichen der Anschlagsopfer im Jemen.

Berlin - Auf die Terroranschläge mit zwei deutschen Toten hat das Auswärtige Amt mit Rückzug reagiert: Alle deutschen Entwicklungshelfer sollen schnellstmöglich das Land verlassen.

Nach dem Tod zweier Deutscher bei einem Anschlag in Sanaa hat Deutschland die Krisenstufe für den Jemen erhöht. Die Botschaft in der jemenitischen Hauptstadt werde "im Notbetrieb" weitergeführt, staatliche Entwicklungshelfer müssten das Land verlassen, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts am Freitag. Zuvor hatte sich Al-Kaida zu dem Anschlag auf das Verteidigungsministerium bekannt, bei dem insgesamt 52 Menschen getötet worden waren.

Die Botschaft solle "im Notbetrieb mit reduziertem Personal" und verstärkten Sicherheitsmaßnahmen weitergeführt werden, sagte der Außenamtssprecher. Ein Sprecher des Bundesentwicklungsministeriums sagte, es seien zehn bis 15 Mitarbeiter der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) sowie der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) betroffen. Sie sollten in den nächsten Tagen und Wochen "geordnet" das Land verlassen.

Bekennerschreiben von AQAP

Am Donnerstag hatte ein Selbstmordattentäter eine Autobombe am Eingang des Verteidigungsministeriums im Zentrum von Sanaa in die Luft gesprengt. Anschließend drangen bis zu 25 Angreifer auf das Gelände vor. Insgesamt wurden 52 Menschen getötet und 169 weitere verletzt. Unter den Toten waren ein jemenitischer sowie zwei deutsche GIZ-Mitarbeiter, die in einem Krankenhaus auf dem Gelände in Behandlung waren.

Zu dem Anschlag bekannte sich die Islamistengruppe Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP). Das Verteidigungsministerium sei angegriffen worden, weil es erwiesenermaßen "Drohnenkontrollräume und US-Experten" beherbergt habe, hieß es in einer Erklärung im Internet. Unbemannte Flugzeuge der US-Streitkräfte greifen regelmäßig mutmaßliche Aufständische an, die im Süden und Osten des Jemen gegen die Regierung kämpfen.

AQAP erklärte, sie habe dem Kontrollraum einen "schweren Schlag" versetzt, es habe sich um ein legitimes Ziel gehandelt. Tatsächlich konzentrierte sich der Angriff aber auf ein Krankenhaus auf dem Gelände des Ministeriums. Wie das philippinische Außenministerium mitteilte, wurden dabei auch ein Arzt und sechs Krankenschwestern von den Philippinen getötet. Nach jemenitischen Angaben waren die meisten anderen Opfer Patienten in dem Krankenhaus.

Merkel verurteilt "Anschlag auf das Schärfste"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich "außerordentlich bestürzt" über den Tod der beiden deutschen GIZ-Mitarbeiter und ihres jemenitischen Kollegen, wie Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin sagte. Die Kanzlerin verurteile "den terroristischen Anschlag auf das Schärfste". Merkel sprach den Familien der Todesopfer ihr Beileid aus. Seibert betonte, ungeachtet der Anschläge werde die Entwicklungszusammenarbeit fortgesetzt.

Der scheidende Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) verurteilte ebenfalls den "hinterhältigen" und "feigen Anschlag". "Wir unterstützen mit unserer Entwicklungsarbeit die Menschen im Jemen dabei, sich eine Zukunftsperspektive zu erarbeiten", erklärte Niebel. Die "Terroristen" wollten diese Zukunft zerstören, da ihnen sonst ihr Nährboden entzogen würde. Niebel warnte, der Jemen stehe "an der Schwelle zum Staatszerfall".

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton forderte ein sofortiges Ende der Gewalt gegen die Regierung, "die die Zukunft des jemenitischen Volkes aufs Spiel setzt". Ashton zeigte sich empört darüber, dass insbesondere medizinische Helfer sowie Verletzte angegriffen wurden.

afp

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