Tod in Afghanistan

Zwischen den Fronten

Nachrichten aus Afghanistan lösen meist sehr gemischte Gefühle aus. Auch gestern, amneunten Jahrestag des Kriegsbeginns. Von Detlef Sieloff

Die Ankündigung von Staatspräsident Hamid Karsai, einen unabhängigen Friedensrat einzuberufen, die Taliban an den Verhandlungstisch bringen und die Gewalt durch das Gespräch ablösen zu wollen, weckte leise Zuversicht. Doch der zarte Keim der Hoffnung wurde umgehend durch die Meldung von einem Selbstmordanschlag im Norden des Landes erstickt, bei dem ein Bundeswehrsoldat getötet und sechs weitere teilweise schwer verwundet wurden. Es ist der 44. Tote, den die Bundeswehr in dem Land am Hindukusch beklagt.

Trotz des massiven Einsatzes von 120 000 ausländischen Soldaten kehrt kein Frieden ein in dem geschundenen Land. Im Gegenteil: Die Aufständischen kommen zurück und demonstrieren täglich ihre wiedergewonnene Macht. Faktisch kontrollieren die radikalen Islamisten die Hälfte des Landes, und in Pakistan, wo sie mehr als 100 Lastwagen in Brand setzten, blockieren sie auch noch wichtige Nachschublinien für die Alliierten.

Eine verfahrene Situation: Käme Karsai der Taliban-Forderung nach, dass vor Verhandlungen die ausländischen Soldaten das Land verlassen müssten, wäre seine Amtszeit abgelaufen. Lehnt er sie ab, geht der Krieg der tödlichen Nadelstiche weiter. An der Front zwischen den Fronten: die Bundeswehrsoldaten.

@leserbriefe@op-online.de

Quelle: op-online.de

Kommentare