Darmstadt 98

Darmstadt 98: Aufbruch am Bölle

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Kann mit dem Ball umgehen, hat es aber schwer, zum Saisonstart in die erste Elf der Lilien zu kommen: Tobias Kempe.

Die Darmstädter Lilien wähnen sich auf einem guten Weg. Bei der Entwicklung des Kaders setzen Wehlmann und Co. auf ein Zwei-Stufen-Programm.

Die Sehnsucht ist die gleiche geblieben: Ruhe. „Wir wollen eine stabile Saison spielen“, sagt Dimtrios Grammozis, der Trainer des südhessischen Fußball-Zweitligisten Darmstadt 98, der weiß: „Die letzten zwei Jahre waren nicht einfach für den Verein.“ Vor genau einem Jahr war es noch Dirk Schuster, der eine Saison ohne Sorgen als Erfolgsmaßstab ausgerufen hatte, aber dass Schuster im Februar entlassen und durch Grammozis ersetzt wurde, zeigt, dass es dann doch das Gegenteil einer entspannten Saison wurde am Böllenfalltor – wie immer in den vergangenen drei Jahren.

Auf den Trainer Norbert Meier war im Winter 2016 Torsten Frings gefolgt (damals noch in der Ersten Bundesliga), auf Frings folgte ein Jahr später erneut der alte Aufstiegswundermann Schuster, dessen Zauber zwar 2018 für den Klassenerhalt reichte, aber eben nicht dafür, die Lage bei den dauerhaft bewegten Lilien nachhaltig zu beruhigen. Das soll nun endlich Grammozis, 42, tun, der sich – bisher – als absoluter Glücksgriff der Entscheider um Vereinspräsident Rüdiger Fritsch erweist: Fleißig, akribisch und als langjähriger Bundesligaspieler mit feinem Gespür für die Prozesse in einer Profimannschaft. In Kombination mit dem erfahrenen Co-Trainer und gewieften Taktiker Iraklis Metaxas – 52 Jahre alt und wie Grammozis Deutsch-Grieche – wähnen die Darmstädter ihr Team in guten Händen. Nicht, dass das in den Vorjahren anders gewesen wäre.

Aber die Lilien scheinen inzwischen reif für den nächsten Entwicklungsschritt im Profifußball, in den sie ja vor fünf Jahren völlig unverhofft reinplatzten mit ihrem märchenhaften Durchmarsch von Liga drei bis Liga eins – ohne über dafür angemessene Strukturen zu verfügen. Vor der Haupttribüne am Böllenfalltor entsteht zurzeit eine neues Funktionsgebäude, im Herbst soll es fertig sein, auch die Gegengerade des Stadions wird aktuell neu gemacht und soll bis zum Ende des Jahres komplettiert werden. Die Haupttribüne folgt ab Sommer 2020. Parallel dazu finden Professionalisierungsprozesse im Bereich der sportlichen Leitung statt; der SVD versucht es zum zweiten Mal mit einem Sportdirektor, nachdem das erste Mal mit dem etwas stoffeligen Holger Fach 2016 recht schnell gescheitert war.

Tobias Kempe außen vor

Es ist natürlich kein Zufall, dass Carsten Wehlmann, 47, im Februar dieses Jahres just dann vom etwas seltsamen Posten des Sportkoordinators zum sportlichen Leiter aufstieg, als man sich gerade von Dirk Schuster getrennt hatte, der stets eine gewisse Allmacht für sich beanspruchte. Mit Wehlmann, der zwischen 2015 und 2018 als Chefscout von Holstein Kiel äußerst erfolgreich arbeitete, versuchen die Lilien das fußballerische Know-how wieder auf mehrere Köpfe zu verteilen – und so die Fehleranfälligkeit zu verringern.

Bei der Entwicklung des Kaders setzen Wehlmann und Co. auf ein Zwei-Stufen-Programm. Nachdem Anfang des Jahres erfahrene Defensivspezialisten eingekauft wurden, um den Klassenerhalt zu sichern (Palsson, Herrmann, Wittek), ist die Mannschaft nun nicht zuletzt mit jungen Flügelspielern für die Offensive erfrischt worden. So konnten zum Beispiel Braydon Manu, 22, und Mathis Honsak, 22, in der Vorbereitung überzeugen, und dass wohl beide mit – relativ leichten – Verletzungen das Auftaktspiel beim Hamburger SV am Sonntag (13.30 Uhr) verpassen, ändert nichts daran, dass ein alter Held wie Tobias Kempe, 30, seinen Stammplatz verloren hat. Zu langsam für die Außenbahn, und im Zentrum hat einer wie Neuzugang Fabian Schnellhardt, 25, die Nase vorne. Zurzeit jedenfalls. Wie schnell einen die Vergangenheit einholen kann, weiß man in Darmstadt ja nur zu gut.

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