Darmstadt - Hamburg

Entscheidung am Bildschirm: Lilien schenken dem HSV einen Punkt

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Elfmeterschütze Aaron Hunt (links) freut sich über den Anschluss im letzten Moment. 

Der Videoassistent sorgt dafür, dass Darmstadt in Hamburg in der Nachspielzeit das 1:1 kassiert.

Der Hamburger SV hatte zuletzt ja alles unternommen, um die Geister der Vergangenheit loszuwerden. Die Stadionuhr wurde demontiert, die einst, bis zum Zweitligaabstieg 2018, die lange, lange Bundesligazugehörigkeit des stolzen Klubs bezeugte. Der Sänger Lotto King Karl wurde endlich von seinem Kran geholt, auf dem er vor der Fankurve die Klubhymne zu intonieren pflegte, „Hamburg, meine Perle“; ein Song, indem die Gegner reihenweise verschmäht werden. So etwas wollen sie nicht mehr beim Hamburger SV. Und was sie auch und vor allem nicht mehr wollen, ist ihre Spiele ständig zu vermasseln, wovon ja das listige Darmstadt 98 gerne profitierte in den vergangenen Jahren. Wovon er auch diesmal, zum Auftakt in die neue Saison der Zweiten Fußball-Bundesliga, beinahe wieder profitiert hätte. Bis zur 95. Spielminute führten die Südhessen mit 1:0 im Hamburger Volksparkstadion, durch einen Treffer, der 14 Sekunden nach Beginn der zweiten Halbzeit gefallen war. Doch dann kehrte plötzlich das Glück zurück zum Hamburger SV, zum Leidwesen des SV98.

Der Innenverteidiger Dario Dumic, 27, hatte irgendwie den Ball getroffen und irgendwie seinen Gegenspieler in dieser letzten Minute der offiziellen Nachspielzeit. Der bundesligaerprobte Schiedsrichter Robert Hartmann entschied zunächst auf Weiterspielen, um sich schließlich, nach Intervention der Videoschiedsrichterin Bibiana Steinhaus, an den Bildschirm zu begeben. Dort sah er, dass er nichts sah, ein undurchsichtiges Treten und Fallen, das auch durch mehrmaliges Vor- und Zurückspulen nicht durchsichtiger wurde. Seine Entscheidung revidierte Hartmann dennoch, und HSV-Kapitän Aaron Hunt verwandelte den folgenden Strafstoß zum Ausgleich, Spielminute 98. Bislang waren sie beim SV Darmstadt 98 davon ausgegangen, man habe ein besseres Verhältnis zu der Zahl.

Lilien verpassen die Entscheidung 

In der Nachbetrachtung allerdings werden die Lilien nicht allzu unglücklich sein mit dem Remis zum Saisonstart, das sich beide Teams auf ihre Art verdient hatten. Die Hamburger hatten beim Debüt von Trainer Dieter Hecking und sechs Neuzugängen eine dominante erste Halbzeit hingelegt. Hunt, 32, gelang es einmal, den Ball aus fünfeinhalb Metern am von – wie erwartet von Marcel Schuhen gehüteten Lilien-Tor – vorbeizubefördern. Ein andermal hatten die Gäste Glück, als Patrick Herrmann Tim Leibold elfmeterreif abgrätschte, Hartmann und Steinhaus sich aber nicht auf die richtige Entscheidung einigen konnten. Vermutlich, weil sie unschlüssig waren, ob die Aktion in oder doch noch knapp außerhalb des Sechzehners stattfand.

Und dann kam die Pause, und in der Pause nahm Darmstadts Trainer Dimitrios Grammozis eine Einwechselung mit Sofortwirkung vor: Tim Skarke ersetzte Fabian Schnellhardt, um für mehr Tempo und Tiefe im Gästeauftritt zu sorgen. Es folgte der Anstoß, ein langer Ball, ein Abpraller, und schon hatte Skarke für die Führung gesorgt, nachdem HSV-Torwart und Ex-Lilie Daniel Heuer Fernandes die Kugel unglücklich abgewehrt hatte (46.). Danach verteidigten die Darmstädter sicher, verpassten bei Kontern mehrmals die Entscheidung. Was sich rächte. „Der Ausgleich in der Nachspielzeit ist natürlich bitter“, sagte Grammozis später: „Trotzdem gibt uns dieser Punkt Selbstvertrauen.“

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Die Darmstädter Lilien wähnen sich auf einem guten Weg. Bei der Entwicklung des Kaders setzen Wehlmann und Co. auf ein Zwei-Stufen-Programm.

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