Lilien beurlauben Trainer Dirk Schuster

Darmstadt 98 setzt mit Sportlichem Leiter neuen Impuls

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Abpfiff: Dirk Schuster (vorn) nach seinem letzten Spiel als Trainer des SV Darmstadt 98 in Sandhausen.

Darmstadt - Im Existenzkampf der 2. Bundesliga greift Darmstadt 98 zum bewährten Mittel: Der Verein beurlaubt seinen Trainer. Ein Nachfolger soll zügig gefunden werden und die Hessen vor einem möglichen Absturz in die Drittklassigkeit bewahren. Von Daniel Schmitt

Als im vergangenen Herbst die Leistungen schlechter wurden und die Ergebnisse kurz darauf nachzogen, da war im Umfeld des SV Darmstadt 98 dennoch keine Unruhe zu spüren. Zu bequem war das Polster auf die Abstiegszone der zweiten Liga, zu groß das Vertrauen in den Chef. Lange lautete das Motto rund ums Böllenfalltor: Der Schuster macht das schon.

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Der Schuster, das ist Dirk Schuster. Und der macht es seit gestern eben nicht mehr. Am Montag teilte der SV 98 erst gegen 13 Uhr seinen Spielern und eine halbe Stunde später der Öffentlichkeit mit, dass der Klub und ihr Trainer ab sofort getrennte Wege gehen. Schuster, noch bis zum Saisonende mit einem Vertrag in Darmstadt ausgestattet, wurde ebenso wie seine beiden Assistenten Sascha Frantz und Frank Steinmetz von allen Aufgaben entbunden. Zu bedrohlich ist die Situation als Tabellen-14. mit nur vier Zählern Vorsprung auf die Abstiegszone geworden, zu frappierend war die sportliche Stagnation.

„Wir bedauern es, diesen Schritt vollziehen zu müssen, weil sich Dirk Schuster große Verdienste erworben hat“, so Präsident Rüdiger Fritsch: „Aufgrund der starken Gefährdung der Ziele und der nicht zufriedenstellenden sportlichen Entwicklung haben wir uns jedoch zu dieser Entscheidung gezwungen gesehen.“

Nachdem die Lilien im Dezember 2017 ihren einstigen Aufstiegshelden Schuster aus der Arbeitslosigkeit zurückgeholt und mit ihm eine ähnlich prekäre Situation wie die jetzige gemeistert hatten, sollte es in dieser Spielzeit deutlich ruhiger zugehen. Ein solider Mittelfeldplatz, nicht mehr und nicht weniger. Hauptsache kein Abstiegskampf. Schien der Plan bis in den Oktober hinein noch aufzugehen, die Lilien hatten damals sogar Kontakt zu den Spitzenplätzen, bröckelte das Gebilde nun von Woche zu Woche ein bisschen mehr. Schuster, ein Defensivfanatiker, schaffte es nicht, eben jener Defensive Stabilität zu verleihen.

40 Gegentore haben die Lilien bereits schlucken müssen, nur der Tabellenletzte Duisburg ist in dieser Kategorie noch schlechter. Darüber hinaus krankte das Offensivspiel, welches stets im 4-2-3-1-System vorgetragen wurde, derart, dass die Konkurrenten kaum noch eine taktische Vorbereitung auf die Darmstädter benötigten. „Wir sind zum Entschluss gekommen, einen neuen Impuls setzen zu wollen“, sagte Präsident Fritsch.

Carsten Wehlmann ist neuer Sportlicher Leiter der Lilien.

Aus den vergangenen zehn Spielen holten die Südhessen nur einen Sieg - den glücklichen, weil in letzter Minute herausgeschossenen 2:1-Erfolg gegen St. Pauli im Januar. Zu diesem Zeitpunkt war die vor dem Jahreswechsel ziemlich ergraute Welt in Darmstadt wieder ein bisschen heller geworden. Das Ergebnis stimmte, der Vorsprung zur gefährlichen Zone war passabel, auch die im Winter verpflichteten fünf Zugänge machten Mut, dass es mit ein bisschen mehr Selbstvertrauen nun wieder aufwärts gehen könnte. Ging es aber nicht. Eine 2:3-Niederlage in Duisburg, eine 1:2-Heimpleite gegen Heidenheim und zuletzt das 1:1 in Sandhausen folgten – durchweg garniert von erschreckend schwachen Vorstellungen der Lilien.

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Carsten Wehlmann, der bisherige Sportkoordinator, wurde im Zuge der Schuster-Entlassung zum Sportlichen Leiter befördert. Diesen Posten hatte Schuster ebenfalls inne. Wehlmann obliegt es nun, einen neuen Coach zu finden. Laut „Kicker“ soll Marco Antwerpen ein Kandidat für den Job an der Seitenlinie sein. Der 47-Jährige trainiert aktuell den Drittligisten Preußen Münster, sein Vertrag läuft aber am Saisonende aus. Da sich Münster im Niemandsland der Tabelle bewegt, wäre eine vorzeitige Trennung von den Preußen durchaus vorstellbar.

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