Energy-Drinks und Gummibärchen statt Bier und Wurst

Stadionatmosphäre der anderen Art beim E-Sport-Team der Lilien

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Jan Luca Bernhard„Luca_B3rna_“ (links) und Adrian Starkbaum, „MittelTuer017“, zocken für Darmstadt 98 in der Virtuellen Bundesliga auf XBox und Playstation. Ein Firmenraum des Lilien-Sponsors Koke in Pfungstadt dient als Stadion.  

Darmstadt – Es ist fast wie im realen Fußball: Eine vollbesetzte Tribüne, statt Bier und Wurst gibt es aber Energy-Drinks und Gummibärchen. Auf dem grünen Rasen tippelt ein angespannter Manager vor dem Spielbeginn nervös hin und her. Von Jörg Moll

 Scheinbar locker geben sich die Spieler, die ihre Späße beim Einspielen machen. Adrian Starkbaum und Jan Luca Bernhard tragen mit Sponsoren bedruckte Trikots des SV Darmstadt 98, doch sie laufen nicht am Böllenfalltor ein. Stattdessen nehmen sie auf zwei Sesseln vor einem kleinen Bildschirm Platz. Der aus Egelsbach kommende Starkbaum (21) und der Bickenbacher Bernhard (19) sind zwei von vier Teammitgliedern des E-Sportteams des SV Darmstadt 98. Sie haben sich vor der Premierensaison in einem Casting gegen insgesamt 320 Bewerber durchgesetzt.

„Die Konkurrenz war schon stark“, erinnert sich Starkbaum. „Ich habe eigentlich vorher nur gegen meine Freunde gespielt, gewinne da aber meistens“, erzählt er. Ein Freund habe ihm dann vom Casting der Lilien erzählt. „Ich habe mir keinen Druck gemacht, wollte nur Spaß haben.“ Das klappte bestens, auch bei Jan Luca Bernhard. Der Auszubildende als Groß- und Einzelhandelskaufmann hat sich von professionellen „Gamern“ im Internet Tricks abgeschaut - und spielt seit einigen Jahren auf ambitioniertem Niveau und nun auch in der Virtual Bundesliga (VBL) Club Championship.

Anfangs lief es auch richtig gut für die Darmstädter. Im ersten Spiel gewannen die „E-Lilien“ gleich das Derby gegen Eintracht Frankfurt. „Das war schon ein besonderer Moment“, sagt Jan Luca Bernhard. Fast 1000 Zuschauer auf Online-Plattformen wie Twitch hatten das Duell verfolgt. Das alleine unterstreicht, wie groß das Interesse an der virtuellen Fußball-Variante ist. „Es ist ein reizvolles Thema, ein Zukunftsthema, das viele junge Leute bewegt. Wir wollten bei diesem neuen Format von Anfang an dabei sein“, erklärt Fabian Ortkamp, Büroleiter der Darmstädter Fan- und Förderabteilung, die das E-Sportprojekt betreut.

Anders als viele Ligakonkurrenten verzichten die Lilien auf Profi-Zocker, also Spieler, die mit virtuellem Fußball ihr Leben finanzieren. „Wir wollten unbedingt Spieler aus der Region haben, die einen Bezug haben zu Darmstadt und selbst auf der Tribüne stehen“, erklärt er die Auswahlkriterien neben den Qualitäten an der Konsole. Das Konzept geht bislang auf, nicht zuletzt, weil das Projekt auch Firmen und Sponsoren begeistert. Das Pfungstädter IT-Unternehmen Koke stellt Equipment und Räumlichkeiten, hat einen Firmenraum zum „Stadion“ ausgebaut. Bei Heimspielen fungiert die Firmenküche als Catering-Treff für Zuschauer, Geschäftspartner und Teammitglieder. Die Medienagentur Bauer & Guse realisiert die Übertragungen im Internetstream. Im Nebenzimmer moderiert ein ehrenamtlicher Mitarbeiter aus dem Darmstädter Fanprojekt die virtuellen Duelle live.

Die VBL wird an 21 Spieltagen in neun Wochen absolviert. „Es ist ein straffes Programm, das wir absolvieren“, sagt Ortkamp. Auch für die Spieler. Ein Doppelspieltag kann abends gerne mal vier Stunden Zeit in Anspruch nehmen. Für Jan Luca Bernhard, der unter seinem Zockernamen „Luca_B3rna_“ an Wochenenden bis zu zehn Stunden FIFA spielt, ist das kein Problem. „Ich finde das Format der VBL top, da kann man sich mit den Besten messen“, sagt er. Und das, obwohl die Lilien nach gutem Start und Platz sieben reichlich Lehrgeld gezahlt haben und auf den vorletzten Platz abgestürzt sind. Den Spaß bremst das nicht. „Yes, Sir“, jubelt Adrian Starkbaum nach einem Tor im Doppel gegen Wolfsburg. Das 2:2 bedeutet den einzigen Punktgewinn am Doppelspieltag gegen den VfL und Hertha BSC. „Aber es sind immer enge Spiele, wir können mithalten“, meint Starkbaum.

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