Darmstadt-98-Trainer im Interview

Schuster: "Ist ein Hurra-Fußball in Darmstadt machbar?"

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Trainer Dirk Schuster spricht über die sportliche Situation.

Darmstadt - Nach einer starken Rückrunde waren die Erwartungen im Umfeld des SV Darmstadt 98 hoch - und wurden weitgehend enttäuscht. Trainer Dirk Schuster hat Verständnis für eine gewisse Unzufriedenheit. Er hält aber auch Hurra-Fußball nicht für erfolgversprechend.

Auch wenn der Abstand zur Abstiegszone mit sechs Punkten recht komfortabel ist - mit dem bisherigen Saisonverlauf ist Trainer Dirk Schuster von Fußball-Zweitligist SV Darmstadt 98 nicht zufrieden. Dem Vorwurf, der Tabelllen-13. sei für die Gegner zu leicht auszurechnen, tritt er in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur jedoch entschieden entgegen. 

Herr Schuster, wie lautet Ihr Fazit der bisherigen Saison?

Es war bisher eine durchschnittliche Saison. Wir hatten einen guten Start, dann kam eine Durststrecke. Mit dem 1:1 in Regensburg haben wir die Wende geschafft und die wichtigen Heimspiele gegen die Mitkonkurrenten positiv gestaltet. Das letzte Spiel vor der Winterpause in Paderborn hat aber kein gutes Gefühl hinterlassen. Rein tabellarisch befinden wir uns im Soll, trotzdem haben wir zu viele Punkte liegen lassen. 19 Punkte aus 18 Spielen sind kein guter Schnitt. Zu 100 Prozent zufrieden sind wir deshalb nicht.

In der Rückrunde der vergangenen Saison war Darmstadt die viertbeste Mannschaft. Wieso ist es Ihnen nicht gelungen, diesen Schwung mitzunehmen?

Das lag zunächst daran, dass wir wieder einen personellen Umbruch hatten. Mit Romain Brégerie und Dong-Won Ji mussten wir unter anderem zwei Leihspieler ersetzen, die eine enorme Qualität mitgebracht haben. Das hat am Anfang der neuen Saison sehr gut geklappt. Aber vielleicht haben wir uns da zu weit gewähnt. Denn dann kam die Durststrecke mit sechs Spielen ohne Sieg.

Ist Ihre Mannschaft für den Gegner zu leicht auszurechnen? Lange Bälle, das Spiel über die Flügel, der wuchtige Wandstürmer?

Das Märchen mit den vielen langen Bällen möchte ich so langsam mal ausräumen. Wir hatten in einigen Spielen deutlich mehr Ballbesitz als der Gegner. Zu Saisonbeginn haben wir mit einer Fünf-Fünf-Formation gespielt, gegen Aue zeitweise sogar mit vier Defensiv- und sechs Offensivspielern. Dass man uns vorwirft, wir würden nur lange Bälle spielen, ist ein alter Hut aus der Vergangenheit in der Bundesliga. Und da war das der Situation geschuldet.

Im Stadion war zuletzt zumindest vereinzelt schon etwas Unmut zu hören - haben Sie Verständnis für eine gewisse Unzufriedenheit?

Es geht um nichts anderes, als den SV Darmstadt 98 auf Dauer in der Zweiten Liga zu etablieren. Dass das schwierig wird, ist uns klar. Auch dass es die eine oder andere unzufriedene Stimme gibt, ist ganz normal. In der vergangenen Saison hatte man nach dem Bundesliga-Abstieg finanziell wesentlich größere Möglichkeiten bei der Kaderzusammenstellung als diese Saison, dennoch hat man gesehen, wie unheimlich eng es zugegangen ist. Wir müssen uns fragen: Ist ein Hurra-Fußball in Darmstadt mit dem vorhandenen Kader machbar? Vor allem aber: Ist das erfolgreich? Am Ende müssen die Ergebnisse stimmen. Denn wegen der großen Investitionen in die Infrastruktur ist es für den Verein zwingend notwendig, die Klasse zu halten.

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Was muss passieren, dass es in Darmstadt nicht jedes Jahr einen personellen Umbruch gibt?

Gute Frage. Veränderungen wird es immer geben. Die braucht man auch. Wichtig ist eine zentrale Achse, an der sich jeder ein bisschen festhalten kann. Nach Möglichkeit sollte jede Position doppelt und nahezu gleich stark besetzt sein, so dass man nur noch punktuell Spieler holt, die dann die Qualität nochmals steigern.

Schlüsselspieler wie Aytac Sulu (33 Jahre) oder Marcel Heller (32) sind ja auch schon älter. Dazu drohen Abgänge, wenn Spieler sich empfehlen wie zum Beispiel Torhüter Daniel Heuer Fernandes.

In der Vergangenheit haben wir immer von der Hand in den Mund gelebt. Man hat Leihspieler geholt, die mussten wieder weg. Das hat zu den ständigen Umbrüchen geführt. Und dann gibt es Spieler, die wecken bei anderen Vereinen Begehrlichkeiten. Sie haben Heuer Fernandes genannt, vielleicht auch Joevin Jones oder Serdar Dursun, wenn er so weitermacht. Da muss man sehen, was für alle Beteiligten das Intelligenteste ist. Und dann kann es sein, dass es wieder einen Umbruch gibt. Aber das ist im Moment das Schicksal von Darmstadt 98.

Und wie sieht es mit den Winterneuzugängen aus? Leihspieler oder feste Verpflichtungen?

(lacht) Ich glaube, es könnte ein Mix werden...

Wo wollen Sie nachbessern?

In der Zentrale auf der Sechser-Position sind wir nicht so aufgestellt, wie wir das brauchen. Wir haben ja Sechser, aber Slobodan Medojevic hatte zuletzt einige medizinische Probleme. Tobias Kempe könnte bei einer Verpflichtung wieder offensiver spielen, ein weiterer Spieler würde also unsere Optionen erweitern.

Was wünschen Sie sich für das neue Jahr?

Ein großer Wunsch ist, dass wir nicht wie vergangene Saison am letzten Spieltag wieder ein Endspiel gegen Erzgebirge Aue haben. Das Ziel ist, dass wir vorher schon den Grundstein gelegt haben, damit es an den letzten Spieltagen etwas entspannter zugehen kann. (dpa)

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