„Wir müssen Tore machen“

Lilien offenbaren in Leipzig individuelle Schwächen 

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Der Leipziger Mittelfeldspieler Naby Keita (links) war von den Darmstädtern nicht zu stoppen und erzielte zwei Treffer. Hier läuft er Sandro Sirigu davon.  

Leipzig - Außer Spesen nichts gewesen: Dies gilt beim SV Darmstadt 98 auch nach dem 13. Auswärtsspiel der Saison. Mit dem 0:4 (0:1) bei RB Leipzig kassierten die Lilien in der Fremde die 13. Niederlage und streben einer Spielzeit ohne Punkt auf gegnerischem Platz entgegen. Von Jens Dörr 

Am Ende der 90 Minuten in Westsachsen herrschte Frust - auch weil die Südhessen abermals unter Wert geschlagen wurden.

Entsprechend enttäuscht war Trainer Torsten Frings. „Bis zur 60. Minute haben wir ein sehr gutes Spiel gemacht, uns viele Torchancen erspielt. Wenn du gegen eine solche Mannschaft solche Chancen herausspielst, musst du sie nutzen. Das ist uns mal wieder nicht gelungen, und ohne Tore gewinnst du keine Spiele“, stellte Frings verärgert fest.

Der Tabellenletzte, dessen Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz nun schon 14 Punkte beträgt, brachte sich durch mangelnde Cleverness und Effizienz mal wieder selbst um den Lohn für eine couragierte Leistung. „Dass wir 0:4 verlieren, ist brutal. Und dass wir kein Tor geschossen haben, ist fast unglaublich bei der Vielzahl an Chancen, die wir speziell vor der Pause hatten. Da müssen wir einfach Tore machen“, haderte Mittelfeldspieler Mario Vrancic mit der Niederlage.

In der ersten Hälfte ging Leipzig zwar durch Naby Keita (nach einem nicht geahndeten Handspiel von Oliver Burke) mit 1:0 in Führung (12.). Aber dann hatten die Darmstädter plötzlich beste Chancen. Besonders der frei vor dem Leipziger Schlussmann Fabio Coltorti auftauchende Sidney Sam (25.) und der kurz vor der Pause um Haaresbreite vorbeizielende Fabian Holland (45.+1) hätten ausgleichen müssen. „Dass wir kein Tor geschossen haben, ist fast unglaublich“, haderte Vrancic.

Zum plötzlichen Aufschwung nach der schwachen Anfangsphase trug vor allem eine Umstellung von Trainer Torsten Frings bei: Der nahm nach nur 22 Minuten Rechtsverteidiger Artem Fedetskyy vom Feld, stellte auf eine Dreierreihe um und verdichtete mit Wilson Kamavuaka das Mittelfeld. Kamavuaka zeigte bei seinem ersten längeren Einsatz zwar viele Schwächen, gerade Vrancic bekam nun aber den Rücken frei und initiierte zusammen mit Hamit Altintop und Sandro Sirigu einige gefährliche Angriffe.

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Es war nicht der einzige überraschende Wechsel von Frings: In Durchgang zwei ließ er nicht nur den erneut glücklosen Sven Schipplock auf dem Platz und in Terrence Boyd und Antonio-Mirko Colak zwei andere Angreifer bis zum Schluss auf der Bank.

Darüber hinaus offenbarten die Darmstädter gerade in der letzten halben Stunde aber individuelle Schwächen. Kaum ein gegnerischer Eckball wurde (wie beim 3:0-Kopfball von Willi Orban) geklärt, im zentralen Mittelfeld liefen Altintop, Kamavuaka und Co. Keita und Forsberg ständig hinterher. Mit Folgen, wie vor dem abgefälschten 2:0-Schuss Forsbergs. Aus einer solchen Situation entstand auch Sirigus Gelb-Rote Karte (72.). Dass Keita nach schlimmem Ballverlust von Sam noch zum 4:0 traf (80.), war aus Darmstädter Sicht weniger tragisch als Sirigus Ausfall diesen Mittwoch im Heimspiel gegen Bayer Leverkusen. Für Sirigu gab es dann am Sonntag noch eine erfeuliche Nachricht. Der Mittelfeldspieler verlängerte seinen Vertrag in Damstadt um ein weiteres Jahr bis 2019. Frings hofft, dass sich möglichst viele Spieler diesem Beispiel anschließen. „Sandro hat sich zu einer Identifikationsfigur des Vereins entwickelt. Wir erhoffen uns mit dieser Vertragsverlängerung auch ein Signal an andere Spieler, sich uns längerfristig anzuschließen“, sagte Frings.

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